Hundert Jahre „IBM“

Geschrieben am 13.02.2024 von

1911 fusionierten vier amerikanische Firmen zur Computing-Tabulating-Recording Company. Sie hatten mit Rechnen, Messen oder Teilen zu tun. 1914 übernahm der vierzig Jahre alte Thomas Watson die Geschäftsleitung; sein Büro lag in New York. Am 14. Februar 1924 gab er dem Unternehmens einen neuen Namen. Es hieß nun International Business Machines Corporation, auch bekannt als IBM.

„Als Selbstschutz entwickelte ich eine Art innerer Skepsis gegen die Welt meines Vaters. Sie blitzte erstmals an einem Wintertag des Jahres 1924 auf, als Vater aus dem Büro nach Hause kam und stolz verkündete, die Computing-Tabulating-Recording Company würde künftig den großartigen Namen International Business Machines tragen. Ich stand in der Tür zum Wohnzimmer und dachte bei mir: Der kleine Laden?  Dad hatte wohl die IBM der Zukunft im Sinn gehabt.“

Diese Zeilen stehen in dem Buch Der Vater, der Sohn und die Firma, das 1990 in Amerika erschien; die deutsche Ausgabe folgte 1993. Verfasst hatte es Thomas Watson, Sohn des gleichnamigen IBM-Chefs und selbst jahrelanger IBM-Leiter. Das beschriebene Ereignis fand am 14. Februar 1924 im Haus der Familie im US-Bundesstaat New Jersey statt. Watson junior war zehn, sein Vater feierte drei Tage später, am 17. Februar 1924, den 50. Geburtstag. Die Computing-Tabulating-Recording Company oder CTR wurde am 16. Juni 1911 geschaffen.

Thomas Watson senior in den 1920er-Jahren (Foto IBM CC BY-SA 3.0 DEED)

Die CTR führte vier Unternehmen zusammen, die im Nordosten der USA ansässig waren; sie bewahrten aber eine gewisse Eigenständigkeit. Alle widmeten sich im weitesten Sinn den Zahlen und dem Zählen. 1924 gab es noch drei von ihnen, die Tabulating Machine Company für Lochkartentechnik, die International Time Recording Company für Zeiterfassungsgeräte und die Dayton Scale Company mit Kaufmannswaagen. Sie stellte außerdem Kaffeemühlen und Brotmaschinen sowie Fleisch- und Käseschneider her. Seit 1917 existierte ein Ableger in Kanada, zu dem wir gleich mehr sagen.

1923 hatte die CTR einen Umsatz von elf Millionen Dollar, einen Gewinn von zwei Millionen und 3.161 Beschäftige. Man kann sich streiten, ob das ein kleiner Laden ist, im nationalen Vergleich war die Firma aber nur mittelständisch. Der Autobauer Ford verzeichnete damals einen Jahresumsatz von 500 Millionen Dollar. Geleitet wurde die CTR von einer Adresse im New Yorker Finanzviertel. Der Schreibtisch von Thomas Watson senior stand in der 18. Etage des Hauses Broad Street 50. Hundert Meter weiter nördlich lag die Börse, und die nächste Querstraße hieß Wall Street.

Einige Stockwerke unter Watsons Büro rasselten die Sortier- und Tabelliermaschinen der CTR-Zentrale. Die Fabriken des Unternehmens befanden sich in der Regierungshauptstadt Washington, in Endicott im US-Staat New York, in Dayton in Ohio und im kanadischen Toronto. Dort eröffnete die CTR im Jahr 1917 ein Zweigwerk, das Uhren und Waagen baute. Auf dem schmucklosen Gebäude hing ein Schild mit den Worten International Business Machines Co, Ltd.. 1921 verwendete die Muttergesellschaft den Ausdruck in ihrer Werbung in der populären Zeitschrift Saturday Evening Post.

CTR-Anzeige von 1921 für „International Business Machines“ mit einer Kaufmannswaage

Am 14. Februar 1924 führte die CTR ihn als neuen Namen ein. Einen frühen Beleg zeigt ganz oben unser Eingangsbild. Es ist eine Anzeige aus dem Begleitheft des Parteitags, den die Demokratische Partei im Sommer 1924 in New York abhielt. Er ging in die Geschichte ein, als die Teilnehmer 103 Wahlgänge benötigten, um einen Kandidaten für die anstehende Präsidentschaftswahl zu küren. Der am Ende gefundene John Davis wurde im November 1924 vom amtierenden Präsidenten Calvin Coolidge geschlagen.

Warum Thomas Watson in jenem Kontext warb, ist unbekannt, doch stand er politisch den Demokraten nahe. In der gleichen Broschüre finden wir Anzeigen der Schreibmaschinen-Hersteller Royal, Underwood und Remington. Jede füllte eine volle Seite, die IBM-Anzeige dagegen nur eine halbe. 1925 zog Watson aus der Broad Street 50 in die Fifth Avenue 310 um. Von 1938 bis 1964 belegte die IBM-Zentrale ein Hochhaus in der Madison Avenue 590. Seit 1964 sitzt sie im Ort Armonk nordöstlich von New York.

Schon 1933 verschmolzen die drei Einzelfirmen der IBM und ihre Dachgesellschaft zu einem Unternehmen. Die Abteilung Kaufmannswaagen, Kaffeemühlen und Käseschneider wurde 1934 abgestoßen, ein ähnliches Schicksal widerfuhr 1958 dem Bereich für Zeiterfassung. Seitdem gibt es die IBM, wie wir sie kennen, den Computerhersteller und IT-Dienstleister. Zum Schluss möchten wir auf den „World Computer Day“ hinweisen, der am 15. Februar begangen wird. Nähere Informationen liefert diese Internet-Adresse.

Die erste IBM-Adresse: Broad Street 50 in New York (Foto Elisa rolle CC BY-SA 4.0 DEED)

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