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Ich bin der Boss

Geschrieben am 06.10.2026 von

Die Olympia-Werke in Roffhausen bei Wilhelmshaven kennen wir als großen deutschen Hersteller von Schreibmaschinen. Sie wagten sich aber auch in den Computermarkt. 1969 erschien die Datenerfassungsanlage Multiplex 80, 1980 kam der Personal Computer Boss. Sein Innenleben und ein Betriebssystem stammten aus Frankreich. Ein paar Jahre später gab es noch den heute vergessenen Rechner Olympia People.

Am 25. April 1970 öffneten die Hannover-Messe und die neue Halle 1 mit dem Centrum für Büro- und Informations-Technik CeBIT; das hatte allerdings noch nichts mit der späteren Messe zu tun. Der größter Aussteller war weder IBM noch Siemens oder Nixdorf, sondern Olympia aus Roffhausen bei Wilhelmshaven. Die Firma zeigte ihr Datenerfassungssystem Multiplex 80, das auf dem Minicomputer PDP-8 basierte und schon 1969 in einer Hamburger Bank lief.

Die Olympia-Werke wurden 1903 als Union-Schreibmaschinen-Gesellschaft in Berlin gegründet. Das erste Produkt hieß Mignon, 1921 entstanden Typenhebel-Schreibmaschinen. Im Zweiten Weltkrieg fertigte das Unternehmen unter anderem die Chiffriermaschine Enigma. Nach Kriegsende erfolgte der Neustart an der Nordsee. Ab 1951 verkaufte man druckende Addiermaschinen, spätere Modelle konnten auch multiplizieren und dividieren. 1959 schluckten die Olympia-Werke den traditionsreichen Hersteller Brunsviga. Hier geht es zu einem Überblick über die mechanischen Rechenmaschinen der Firma.

Olympia-System Multiplex 80 (Foto Tamas Szabo CC BY-SA 2.0 DE oben verlängert)

In den frühen 1960er-Jahren schufen die Olympia-Werke das Magnettrommel-System Omega – das ist ein Prospekt. 1965 erschien der Tischrechner RAE 4/15 mit Germanium-Transistoren und Nixie-Röhren. In der Folgezeit boten die Werke eine Fülle mechanischer, elektrischer und elektronischer Büromaschinen an, von denen manche schon Elemente von Computern aufwiesen. So besaß die Speicherschreibmaschine Olympia 6020 – sie kam um 1980 heraus – ein Display für zwanzig Zeichen sowie ein Diskettenlaufwerk.

Der nächste Computer nach Omega und Multiplex war 1980 der Boss. Die Erstausgabe hieß Boss 1.100, der Name stand für Büroorientierte Systeme und Software. Der Acht-Bit-Rechner lag mit den Modellen A, B, C und D vor; sie unterschieden sich im Fassungsvermögen der Fünfeinviertel-Zoll-Disketten, Modell D enthielt ein Floppy-Laufwerk und eine Festplatte. Als Prozessor diente der Z80. Der Arbeitsspeicher nahm 64 Kilobyte auf, der Monitor zeigte 28 Zeilen zu 80 Zeichen an. Im Eingangsbild sieht man den Boss B, der 8.000 DM kostete.

Elektronischer Tischrechner Olympia RAE 4/15 aus den 1960er-Jahren

Offenbar lief der Rechner ebenso mit einem Intel-8085-Chip. Bei der Software brachte er die damals beliebten Programmiersprachen wie BASIC, COBOL oder Fortran sowie BAL aus Frankreich mit. Auch beim Betriebssystem gab es neben CP/M eine französische Alternative namens Prologue – bitte nicht mit der Sprache Prolog verwechseln. Der Grund dafür war einfach: Das Innenleben des Boss stammte von der in Orsay bei Paris ansässigen Firma R2E. Sie hatte ein paar Jahre zuvor den ersten Mikrocomputer Micral herausgebracht.

François Gernelle, der Chefkonstrukteur von R2E, nutzte die Gelegenheit und entwickelte parallel einen zweiten Computer mit acht Bit, den tragbaren Portal. Er wurde wie der Boss im Jahr 1980 vorgestellt. Auf der Hannover-Messe 1983 präsentierten die Olympia-Werke das Mehrplatzsystem Boss X8. An den Zentralcomputer ließen sich – man kann es sich denken – bis zu acht Rechner anschließen. Sie griffen auf gemeinsame Daten zu, das Betriebssystem war Prologue. Laut Computerwoche fungierten als externer Speicher Acht-Zoll-Disketten.

Speicherschreibmaschine Olympia 6020 mit angeschlossenem Diskettenlaufwerk

Auf der gleichen Messe enthüllten die Werke ihren neuen Computer, den oder die Olympia People. Er operierte in der Sechzehn-Bit-Welt, im Inneren steckten der Intel-Prozessor 8086 und Chips für einen Arbeitsspeicher zwischen 128 und 512 Kilobyte. Als Betriebssysteme wurden Prologue, eine MS-DOS-Version und CP/M-86 offeriert; dieses war ein Verwandter des populären CP/M, das alternative doch letztlich erfolglose System für den IBM PC. Der Olympia-Computer verfügte über zwei Diskettenlaufwerke. Ob es eine Beziehung zum technisch vergleichbaren Micral 90-50 gab, ist unbekannt.

Das CC-Computerarchiv nennt für den Olympia People einen Grundpreis von 11.900 DM. Nur halb so teuer war drei Jahr später das Bildschirm-Schreibsystem Olytext 20 – hier geht es zu einem Prospekt. 13.900 DM verzeichnet das Archiv für den Personal Computer Olystar 60, der einen 80286-Chip enthielt. Wir schließen mit dem Laptop Olyport aus den späten 1980er-Jahren, der auch in die S-Klasse von Mercedes gelangte. Die Odyssee der Olympia-Werke endete 1992, die Erinnerung an den einstigen Marktführer der Bürotechnik bewahren ein Film, ein Museum in Roffhausen und eine Internetseite aus Wilhelmshaven.

Sechzehn-Bit-Computer Olympia People von 1983 mit Drucker

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