Ski und Rodel digital
Geschrieben am 06.02.2026 von HNF
Am heutigen 6. Februar werden in Mailand die Olympischen Winterspiele eröffnet. Sie finden in der italienischen Metropole und weiter nordöstlich in Cortina d’Ampezzo statt. Zur Feier des Tages erinnern wir an Videospiele, die mit Wintersport zu tun haben. Diese gibt es seit gut 50 Jahren. Außerdem beleuchten wir den Einsatz von Computern beim echten Sport.
Eigentlich begann alles 1905. In jenem Jahr erdachten John Pell und Edward Clark aus dem US-Bundesstaat Massachusetts ein Eishockeyspiel. Es passte auf den Wohnzimmertisch, die Eisfläche ließ sich zusammenrollen. 1932 schuf ein Kanadier eine Simulation mit einer Mechanik, später entstand in der DDR zum Hockey einer der wenigen im Lande erlaubten Geldspielautomaten.
Uns interessieren aber elektronische Spiele zum weißen Sport. Das erste Game war 1972 Ski für die analoge Konsole Odyssey. Es benötigte eine Folie auf dem Fernseher und erinnerte entfernt an Langlauf. Die in Florida beheimatete Firma Allied Leisure Industries entwarf 1975 ein etwas flotteres Ski-Spiel. Das Instagram-Video zeigt, dass man mit den Beinen hin und her wedelte. Es bleibt offen, ob der Läufer auf dem Bildschirm mit einer Braunschen Röhre oder einem Spiegel erzeugt wurde.
Digital wurde es 1977. Damals bot Atari für das mit dem Prozessor MOS 6507 versehene Videosystem VCS – ab 1982 hieß es Atari 2600 – das Spiel Street Racer an. Es hatte auch einen Slalom-Teil für zwei Skifahrer. Philips lieferte 1978 für die Konsole G7000, in dem der Intel-Chip 8048H steckte, Programme für Slalom, Riesenslalom und Abfahrtslauf. Die Firma Interton nutzte im VC-4000-Tableau den Prozessor Signetics 2650A; auch sie brachte einen Torlauf heraus, der aber nahezu unspielbar war. Mehr Spaß machte das direkt danach folgende Skispringen.

Game für Begüterte: Simulator President (Foto SkyTechSport CC BY-SA 4.0 seitl. beschnitten)
1980 kehrte Atari auf die Piste zurück: Urheber von Skiing war das 1979 gegründete Studio Activision. Ein Spiel gleichen Namens produzierte Intellivision. Die Konsolenhersteller balgten sich auch beim Eishockey, Software dazu finden wir bei Philips, Intellivision und Atari. Die Firma Gamma Software aus Los Angeles erstellte 1981 ein Eishockeyspiel für die neuen Heimcomputer von Atari. Für die Atari-2600-Konsole erschien 1983 Mogul Maniac. Es war wohl das erste Ski-Spiel, das einen Slalom aus der Sicht des Rennläufers abbildete.
Ein neues Zeitalter des digitalen Wintersports eröffneten 1985 die Winter Games. Das in San Francisco sitzende Studio Epyx bündelte diverse olympische Disziplinen; ausüben konnte man sie auf dem Commodore C64. Es folgten Versionen für andere Systeme, bis November 1989 wurden rund 250.000 Kopien abgesetzt. 1986 kam von der englischen Firma Tynesoft die Spielesammlung Winter Olymics. Sie beschränkte sich auf Eisschnelllauf, Skisprung, Bobfahren und Curling sowie Slalom und Abfahrtslauf. Allseits gelobt wurden im Jahr 1991 The Games aus Kanada und SkiFree aus dem Hause Microsoft; das ist eine Abfahrt.
Die Olympischen Winterspiele von 1994 in Lillehammer führten schon 1993 zu einem damit verbundenen Game. Der Produzent U.S. Gold arbeitete jedoch im britischen Birmingham. Spätere Programme feierten die Konkurrenzen von Nagoya, Salt Lake City, Sotchi, Turin und Vancouver. Für Mailand und Cortina 2026 wurde offenbar nichts geschrieben, doch gibt es viel nicht-olympische Software, die man auch im Browser aufrufen kann. Unser Eingangsbild zeigt ein Skirennen, das im November 2025 an einem HNF-Familientag stattfand.
Nun möchten wir noch eine ganz andere Verknüpfung von Computern und Wintersport betrachten. Die Olympischen Spiele 1960 im kalifornischen Squaw Valley waren die ersten überhaupt, an denen ein Elektronenrechner mitwirkte. IBM richtete im Ort ein „Olympic Data Processing Center“ ein, in dem ein RAMAC die Resultate aufnahm und auswertete. Sein für damalige Verhältnisse riesiger Festplatten-Turm – er fasste fünf Megabyte – speicherte außerdem Kurzbiografien der Sportler.
Für die Spiele 1964 in Innsbruck wurde das System ausgebaut. Zum RAMAC gesellten sich eine IBM 1401, weitere Band- und Plattenspeicher und ein DFÜ-Netz. Wie es scheint, half IBM Deutschland, im Video sehen wir jedenfalls nach Minute 3:45 den Pressesprecher des Unternehmens. Vier Jahr später in Grenoble stellte Big Blue im „centre olympique de calcul“ eine IBM 360/40 auf. Wir schließen aber mit den letzten Winterspielen ohne Computer und dem offiziellen Olympiafilm zu Cortina d’Ampezzo 1956. Buon divertimento!
