Atari für alle

Geschrieben am 04.01.2019 von

Atari wurde 1972 im kalifornischen Sunnyvale gegründet. Die Firma brachte digitale Videospiele für Münzautomaten heraus; das erste war das legendäre Pong. 1977 erschien die Konsole Atari 2600 für den Anschluss an den heimischen Fernseher. Im Januar 1979 zeigte Atari bei einer Messe in Las Vegas die ersten 8-Bit-Computer, die Modelle Atari 400 und Atari 800.

Die Atari Incorporated verbinden wir meistens mit dem Spiel Pong und dem Aufstieg der Computerspielbranche. Nolan Bushnell und Ted Dabney gründeten das Unternehmen 1972 in Sunnyvale südöstlich von San Francisco – wir haben es im Blog erzählt. Dabney stieg 1973 wieder aus. Damals baute Atari Münzautomaten, die einzeln oder in Spielhallen aufgestellt wurden. Von 1975 an dachte Bushnell aber schon über eine Konsole für zuhause nach.

Die kam im November 1977 in Gestalt des Video Computer Systems Atari 2600. Es wurde mit dem heimischen Fernseher verbunden; die einzelnen Spiele musste man in Modulen oben hineinstecken. Im Inneren des Systems saß der 6507-Chip der Firma MOS Technology; er war verwandt mit dem Mikroprozessor 6502, den der Meisterdesigner Chuck Peddle entworfen hatte. Ein anderer Chip namens TIA generierte die Grafiken und Geräusche der Spiele. Er ging auf den Ingenieur Jay Miner zurück.

Ein Bestseller wurde die Konsole 1980 mit den Space Invaders. Im selben Jahr erschien auch eine deutsche Ausgabe zum Preis von 350 DM. In den USA lag derweil schon die nächste Atari-Generation vor. Es handelte sich um die Modelle Atari 400 und Atari 800. Diese waren keine Spielzeuge mehr, sondern richtige Computer der 8-Bit-Klasse. Der Atari 400 hatte Folientasten, wie im Eingangsbild zu sehen, sein Bruder eine echte Tastatur. Monitore besaßen sie keine, dafür aber Kabel für die Antennenbuchse des Fernsehers.

Arkaden-Feeling im Wohnzimmer vermittelte die Konsole Atari 2600.

Zum ersten Mal vorgeführt wurde das Duo vom 6. bis 9. Januar 1979 in Las Vegas. Dort fand die Consumer Electronics Show statt, das amerikanische Gegenstück zur Funkausstellung. Abseits in einem Hotel durften Experten und Journalisten einen Blick auf die Prototypen werfen. In der Fachpresse erschien auch eine Anzeige. Die Öffentlichkeit erlebte die Rechner im Mai auf der Computermesse von San Francisco. Verkauft wurden sie ab November 1979. Der Atari 400 kostete 549 Dollar, der Atari 800 rund tausend.

Beide arbeiteten mit dem MOS-Chip 6502, dazu kamen Co-Prozessoren für die Bild- und Tondarstellung. Der Arbeitsspeicher umfasste zunächst nur acht Kilobyte; später wuchs er auf 16 KB (Atari 400) und 48 KB (Atari 800). Wegen der gesetzlichen Regeln zur Entstörung erhielten die Computer ein Gehäuse aus festem Aluminium mit einem aufklappbaren Höcker. Unter ihm verbarg sich der Schacht zum Einschieben von Programmmodulen. Die vielen Computerspieler freuten sich über gleich vier Anschlüsse für Joysticks.

Aber die Ataris zeigten mehr als Pac-Man und Space Invaders. Ab 1981 bot die Firma vier Pakete zu unterschiedlichen Themen an. Neben den Baller-, Kampf- und Rennspielen gab es eine Box mit Lernsoftware und eine zum Programmieren mit BASIC. Das letzte Paket enthielt die Ausrüstung, um ins Internet zu gehen, also ein Modem und einen Akustikkoppler. (Bei uns wurde sie nicht verkauft.) Aus jener Zeit ist ein Werbespot erhalten. Am Ende singt der Chor „Atari – Computers for People“ – Computer fürs Volk oder einfach für alle.

Der elegante 800XL von 1983 war der beste Heimcomputer der Atari-Spätzeit.

Die 8-Bit-Modelle etablierten unsere Firma als vierten Faktor im Heimcomputermarkt neben Apple, Commodore und Tandy. 1981 war sie weltweit die Nummer 1 mit 300.000 verkauften Exemplaren. Auch Bundesbürger konnten in jenem Jahr Atari-Rechner erwerben. Der Atari 400 kostete 1.495 DM, der Atari 800 stolze 2.995 DM. Bald gerieten die Preise jedoch ins Rutschen, und Atari bekam Probleme. 1983 endete die Fertigung der beiden Modelle, danach wurden die Lager abgebaut. Insgesamt verkaufte Atari zwei Millionen Stück.

Ab 1983 brachte das Unternehmen neue Heimcomputer heraus. Der Commodore C64 blieb jedoch eine übermächtige Konkurrenz. Erfolge im Ostblock – die Ataris standen nicht mehr auf der CoCom-Liste der verbotenen Exporte – änderten daran wenig. 1992 lief der letzte 8-Bit-Rechner vom Band. Zu diesem Zeitpunkt gab es die Atari Incorporated aber nicht mehr. Die Mutterfirma Warner Communications hatte sie im Juli 1984 aufgelöst und den Bereich Spielkonsolen und Heimcomputer an den früheren Commodore-Chef Jack Tramiel verkauft.

Der machte daraus eine neue Firma, die Atari Corporation; über ihr Schicksal und ihre 16-Bit-Computer haben wir im Blog berichtet. Die alten 8-Bit-Rechner sind jedoch unvergessen. Der 1985 in Herten gegründete ABBUC ist nach eigenen Angaben der größte, älteste und bekannteste Atari-Fanclub der Welt. Erwähnen wollen wir auch Atarimania in Amerika und das Atarimuseum aus Neu-Ulm. Der bunte Katalog der Atari Privat Computer macht noch immer Spaß, Spielernaturen fühlen sich aber sicher hier wohler.

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Ein Kommentar auf “Atari für alle”

  1. Andreas sagt:

    Wenn man überlegt, wie teuer die damaligen Heimcomputer insgesamt waren…auch wenn die Teile mit der Zeit damals auch billiger angeboten wurden…ein billiger Spass war es nie. Da wundert es dann doch, dass sie doch eine so hohe Verbreitung fanden.

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