Compaq Deskpro 386 – der erste 386er
Geschrieben am 11.09.2026 von HNF
Der ab Juni 1986 verkaufte Intel 80386 zählt zu den großen Prozessoren in der Geschichte der Informatik. Er operierte mit 32 Bit, akzeptierte aber auch Programme für 16-Bit-Chips. Der erste Computer, der ihn enthielt, war der Deskpro 386 des texanischen Herstellers Compaq. Vor vierzig Jahren, am 9. September 1986, kam der Rechner in den Handel.
Fotos wie dieses gibt es heute nicht mehr: links ein zufriedener Investor, in der Mitte ein glücklicher Firmenchef und rechts ein strahlender Bill Gates. Die Großen der Computerwelt sind einsam geworden, sie denken heute eher ans Geld, an die Politik und an die Künstliche Intelligenz.
Am 9. September 1986 war das anders. Damals kamen in einem New Yorker Musikclub drei Herren zusammen, Rod Canion, Leiter der am Stadtrand von Houston sitzenden Compaq Computer Corporation, sein Finanzier Ben Rosen und der Software-Produzent Bill Gates. Sie stellten den Deskpro 386 vor, den ersten Personal Computer mit einer 32-Bit-Architektur. Er konnte alle Programme abarbeiten, die für den 1981 erschienenen IBM PC und seine Nachfolge-Modelle geschrieben wurden.
Gegründet im Februar 1982, brachte die Firma Compaq im März 1983 einen zum IBM PC kompatiblen tragbaren Rechner heraus. Er wurde ein Erfolg. Der Compaq Portable besaß den Mikroprozessor Intel 8088 für sechzehn Bit, der ebenso im PC lief. Im Juni 1984 folgte der Compaq Deskpro, ein Desktop-Computer mit dem nahe verwandten Intel-8086-Chip. 1985 kam der Deskpro 286, ein Nachbau des IBM PC/AT von 1984. Beide verwendeten – man kann es sich denken – den Prozessor Intel 80286. Er operierte ebenfalls mit sechzehn Bit.
Ab Oktober 1985 verteilte Chiphersteller Intel die ersten Exemplare eines neuen Prozessors an befreundete Unternehmen. Der Intel 80386 konnte mit 32-Bit-Daten umgehen. Anfang 1986 war nicht klar, ob IBM einen Mikrocomputer mit dem 32-Bit-Prozessor ausrüsten würde. Compaq-Chef Rod Canion ergriff deshalb die Initiative und teilte Andrew Grove, dem Chef von Intel, die Absicht mit, selbst einen solchen Rechner zu bauen. Canion kontaktierte ebenso Bill Gates. Seine Firma Microsoft sorgte bekanntlich für die Betriebssysteme des IBM PC und zu ihm kompatibler Systeme.
Die drei taten sich zusammen, die Entwicklung des neuen Deskpro begann. Die Hauptarbeit leistete ein Team unter Führung von Gary Stimac, dem technischen Direktor von Compaq. Das Resultat lag im September 1986 vor. Äußerlich unterschied sich der Deskpro 386 kaum von den Vorläufern. In ihm steckten neben dem Intel 80386 Speicherchips für ein Megabyte; der Arbeitsspeicher ließ sich bis auf 14 Megabyte erweitern. Größere Datenmengen fassten ein Floppy- und ein Festplatten-Laufwerk. Als Betriebssysteme dienten Microsoft MS-DOS 3.1 oder eine Xenix-Variante.

Deskpro 386S von 1988 (Foto MBlairMarin CC BY-SA 4.0 seitl. beschnitten)
Die ersten 386-Modelle trugen im Namen eine Zahl, die jeweils die Megabytes der Festplatte angab. Model 40 kostete 6.499 Dollar, Model 130 gab es für 8.799 Dollar. Der Computer richtete sich vor allem an Kunden in Büros, die Rechenleistung brauchten; die TV-Sendung Computer Chronicles führte mit ihm eine umfangreiche Tabellenkalkulation vor. 1987 erschien der Compaq Deskpro 386/20 mit einem überarbeiteten 80386-Chip sowie der Portable 386; ihn erkennt man am Plasma-Bildschirm. Im Oktober des Jahres lieferte die Computerwoche einen Überblick über die Neuzugänge der Compaq-Familie.
Bis Februar 1987 setzte Compaq vom Deskpro 386 rund 25.000 Stück ab, ein Rekord für einen Computer dieser Preisklasse. Am Jahresende war der Rechner ausverkauft. IBM bot erst im April 1987 den PS/2 Model 80 mit dem neuen Intel-Prozessor an. Compaq blieb aber in Führung. 1988 hielt die Firma 28 Prozent des 386er-Marktes, Big Blue nur 16 Prozent. Das Ende von Compaq – man fusionierte 2002 mit Hewlett-Packard – haben wir in unserem Blog geschildert. Der Deskpro 386 zählt aber zu den wichtigsten Personal Computern in der Informatik, und er wird auch in der PC-Abteilung des HNF gewürdigt.
