Odyssee in die Zukunft
Geschrieben am 08.09.2026 von HNF
Der 8. September ist der Star Trek Day. Die Science-Fiction-Fans der Welt feiern den Start jener Serie vor sechzig Jahren in den USA; in Kanada hob das Raumschiff Enterprise zwei Tage vorher ab. Wir möchten aber an eine andere utopische Produktion erinnern. 1966 wurden im MGM-Studio nahe London die Weltraum-Szenen des berühmten Films „2001“ aufgenommen.
Die Science-Fiction-Experten wissen es: Die Dreharbeiten für „2001: Odyssee im Weltraum“ begannen am 29. Dezember 1965 in den Shepperton-Studios südwestlich von London. Nur sie hatten genug Platz für die Szene mit dem außerirdischen Monolithen, der auf dem Mond freigelegt wird und ein Signal in die Weiten des Weltraums schickt. Danach zog der 1928 geborene Regisseur Stanley Kubrick ins MGM-Studio nördlich von London.
Er blieb bis September 1967 und schuf den vielleicht besten Zukunftsfilm der Geschichte; die Premiere fand im April 1968 in Washington statt. Die Aufnahmen mit erkennbar humanen Akteuren – im Film erscheinen auch Vormenschen – und auf Plätzen im All erfolgten von Januar bis August 1966. „2001“ passt also in das Science-Fiction-Wunderjahr, das uns die TV-Serien „Star Trek“, „Time Tunnel“ und „Raumpatrouille“, den Nanotechnik-Streifen „Die phantastische Reise“ und die Verfilmung des SF-Klassikers „Fahrenheit 451“ schenkte.
Die Story von „2001“ ist schnell erzählt. In Afrika treffen die erwähnten Vormenschen auf einen mysteriösen Monolithen und machen einen Intelligenzsprung. Später taucht ein solcher Stein auf dem Mond auf. Ein Raumschiff mit zwei wachen und drei tief schlafenden Astronauten bricht zum Jupiter auf. Unterwegs dreht der Bordcomputer HAL 9000 durch; schließlich lebt nur noch ein Raumfahrer, Dave Bowman, der HAL abschalten kann. Bowman verlässt das Schiff und absolviert einen psychedelischen Trip durchs Universum. Am Ende trifft auch er den Monolithen und wird zum Sternenkind.
Das Drehbuchs bleibt rätselhaft, die Ausstattung des Films, sein Ideenreichtum und die wissenschaftliche Genauigkeit sind unübertroffen. Tadeln könnte man die optimistischen Erwartungen, die Stanley Kubrick und sein Mitstreiter, der Schriftsteller Arthur C. Clarke, für die Technik der Zukunft hegten. 25 Jahre nach 2001 gibt es keine große Raumstation mit künstlicher Schwerkraft, kein Passagierschiff zum Mond wie das im Eingangsbild, keine Siedlung auf dem Erdtrabanten und keine bemannte Expedition zum Jupiter.

Arthur C. Clarke im „2001“-Filmstudio (Foto ITU Pictures CC BY 2.0 seitlich beschnitten )
„2001“ war aber eine Pioniertat in der Darstellung der künftigen Informatik. Schon 1965 brachte der Regisseur Jean-Luc Godard den sprechenden Computer Alpha 60 auf die Leinwand, HAL 9000 übertraf ihn mit seiner mörderischen künstlichen Intelligenz. Vom „2001“-Team oder von einem hellen Kopf der IBM kam das Konzept des Tablets, was wir im Blog schilderten. Nicht verwendet hat Stanley Kubrick den elektronischen Tischrechner Friden EC-130, der neben ihm in der Raumstation-Kulisse geknipst wurde. Sie bog sich an dieser Stelle nach oben, weshalb der Fotograf die Kamera etwas schräg hielt.
Vor dem Start der Dreharbeiten fragte Kubrick mehrere amerikanische Unternehmen nach ihren Zukunftsvorstellungen. Die Antworten standen zusammen mit Szenenentwürfen zu „2001“ im Mai 1966 im Magazin Esquire. Dort entdeckten wir den tragbaren Computer der Firma Honeywell, einen Vorläufer des Internet im Aktenkoffer. Ein Clip dazu leitete einen Kurzfilm ein, den die Illustrierte „Look“ damals produzieren ließ. Wir sehen und hören Arthur C. Clarke und den Schauspieler Keir Dullea – er spielt Dave Bowman – sowie Stanley Kubricks Berater Harry Lange und Frederick Ordway. Er selbst tritt nur stumm auf.

Die „2001“-Zentrifuge enthielt den rotierenden Innenraum des Jupiter-Raumschiffs; sie war zwölf Meter breit. (Foto James Vaughan CC BY-NC-SA 2.0 seitlich beschnitten)
Das Honeywell-Gerät schaffte es dann nicht in den Film „2001“. Der gleichnamige Roman von Arthur C. Clarke erwähnte 1968 einen „Newspad“, einen Tablet-Computer, auf dem man über Satelliten verbreitete Zeitungen liest. Der Held des Kapitels nutzt ihn im Raumschiff zwischen Erde und Mond. Wer das Internet Archive aufruft, findet hier die Passage: In der deutschen Übersetzung wurde der Pad zum Nachrichtenschirm. 1973 existierte ein Exemplar des Aktenkoffer-Computers in England. Wir entnehmen das einem BBC-Bericht, bitte zu Minute 15:35 gehen. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.
Zu „2001“ gibt es im Internet den Film, das Drehbuch, die Urfassung des Romans – bitte im Internet Archive anmelden – und die Pressemappe von 1968. Empfehlen können wir die Wikipedia-Seite und die Memoiren von Dan Richter, der im Vormenschen-Kapitel auftrat. Stanley Kubrick erstellte 1970/71 den dystopischen Streifen „Uhrwerk Orange“, später arbeitete er am Film „A.I. – Künstliche Intelligenz“ mit. Er starb 1999. Im Dezember 1984 erlebte 2010, die Fortsetzung von „2001“, die Premiere, Regie führte Peter Hyams. „2010“ brachte keinen Mythos wie „2001“ hervor, jedoch die Wiederauferstehung von HAL 9000.

