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Erhard Weigel: der Mann der die Vier liebte

Geschrieben am 25.08.2026 von

Geboren wurde er vor 400 Jahren und acht Monaten in Weiden in der Oberpfalz, wir können ihn also noch feiern. Erhard Weigel war Mathematiker an der Universität Jena und ein stadtbekannter Erfinder. Heute verbindet sich sein Name vor allem mit dem Vierersystem, das er so schätzte wie sein jüngerer Zeitgenosse Gottfried Willhelm Leibniz die Dualzahlen.

Unter den mathematisch tätigen Gelehrten des 17. Jahrhunderts kennen wir Wilhelm Schickard, den Vater der Addiermaschine, und den Superstar Gottfried Willhelm Leibniz. Er entwickelte ebenfalls Rechengeräte und eröffnete mit der Differentialrechnung eine neue Ära der Mathematik. In Frankreich lebte und arbeitete René Descarte, in England Isaac Newton.

Ziemlich vergessen ist Erhard Weigel. Er stammte aus Weiden in der Oberpfalz; je nach Kalender wurde er am 16. Dezember (julianisch) oder 26. Dezember 1625 (gregorianisch) geboren, der Vater war Tuchmacher. Als Folge des Dreißigjährigen Krieges zog die Familie nach Wunsiedel. Dort besuchte Weigel die Lateinschule und später das Gymnasium in Halle. Von 1647 bis 1652 studierte er in Leipzig und machte den Doktor, dabei hielt er schon gut besuchte Vorlesungen. 1653 übernahm Erhard Weigel an der Universität Jena den Lehrstuhl für Mathematik, die damals auch Physik und Astronomie einschloss.

1657 wurde er Hofmathematiker von Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar und 1661 Oberbaudirektor. 1681 erhielt er den Titel eines kaiserlichen Rats. Weigel hielt seine Vorlesungen nicht wie an Hochschulen üblich auf Latein, sondern auf Deutsch; seine Publikationen erschienen teils lateinisch und teils deutsch. Sein didaktisches Talent zog viele Studenten an; 1663 befand sich unter ihnen auch der junge Gottfried Wilhelm Leibniz. Weigel war Dekan der philosophischen Fakultät und drei Jahre lang Rektor der Universität Jena.

Erhard Weigel in den 1680er-Jahren im barocken Outfit

Neben der akademischen und schriftstellerischen Tätigkeit widmete er sich dem Erfinden. Er fertige Himmelsgloben, die statt der bekannten Sternbilder die Wappen von Fürstenhäusern trugen, und riesige Exemplare, in die man hineinkletterte und die Konstellationen auf der Innenseite sah. Für das Auffinden von Sternen am Himmel erdachte er eine astronomische Suchmaschine, das Astrodicticum simplex. Zur Sonnenfinsternis von 1654 entwarf Weigel die erste Karte, die den Weg des Mondschattens über Europa wiedergab. Dieses Gemälde zeigt ihn wohl mit einer Mondscheibe, mit der er die Finsternis im Hörsaal erklärte.

Das schönste Denkmal seiner Kreativität war sein Haus, das er in den 1660er-Jahren in der Johannisgasse errichten ließ. Es zählte zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, besaß einen Aufzug, fließendes Wasser und einen Weinspender. Die Plattform oben auf dem Dach nutzte Weigel vielleicht für Himmelsbeobachtungen. Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts bescherte den Astronomen mehrere Kometen wie den eindrucksvollen Schweifstern von 1680/81 und den von 1682, der zur Definition des Halleyschen Kometen führte.

Eine Übersicht über Weigels technisch-wissenschaftliche Geistesblitze steht hier. Sie beginnt mit dem Divisor vicarius, einem Algorithmus zum Erleichtern der Division, und schließt mit dem Abacus anarithmicus, einer Rechentafel ohne Ziffern. Es könnte sich um eine grafische Weiterentwicklung gehandelt haben. Erhard Weigel wollte die Mathematik popularisieren; dieser Gedanke bildete auch die Basis seines quaternären Zahlensystems. Er nahm an, dass das Rechnen mit 0, 1, 2 und 3 für alle Altersgruppen leichter zu erlernen und zu praktizieren wäre als das mit zehn Ziffern.

Weigels Wohnhaus in Jena, erkennbar an den drei Mini-Dächern

Weigel brachte 1672 und 1673 die Broschüren Tetractyn und Tetractys heraus, die sein System vorstellten; tetra ist das griechische Wort für die Zahl Vier. Sie sind auf Lateinisch abgefasst, die zweite erläutert aber, siehe unser Eingangsbild, auf Seite 14 die quaternären Zahlen auf Deutsch. Die ersten zehn nach der Null werden zu Eins, Zwei, Drei, Vier, Vier und Eins, Vier und Zwei, Vier und Drei, Zwei Vier, Zwei Vier und Eins und schließlich Zwei Vier und Zwei. Die dezimale 16 verwandelt sich in die neue Zahl Secht und 64 in die Zahl Schock. Hier dachte Weigel vermutlich an die alte Bezeichnung für 60.

1674 legte er eine Arithmetische Beschreibung der Moral-Weißheit mit 152 Seiten vor, eine Sozial- und Staatsphilosophie nach mathematischen Prinzipien. Er befasste sich zudem mit Pädagogik und glaubte, dass die Rechenkunst uns zu besseren Menschen machen würde. In seinen späteren Jahren kämpfte Weigel für die Einführung des gregorianischen Kalender in den protestantischen Regionen von Deutschland, die sich lange dagegen sträubten. Den endgültigen Sieg des neuen Systems im Jahr 1700 hat er nicht mehr erlebt, er starb am 21. März 1699 in Jena.

Sein Haus wurde 1898 abgerissen. Seit 2003 gibt es einen Verein zu ihm mit einer informativen Homepage. Von September 2025 bis Februar 2026 zeigte das Stadtmuseum Jena eine Ausstellung zu Weigels 400. Geburtstag, das Begleitbuch sollte noch erhältlich sein. Eine Biografie aus dem Jahr 1881 ist online, Werke von ihm und über ihn verwahrt das Internet Archive. Das Eingangsbild kommt aus der Bayerischen Staatsbibliothek und vom Münchener Digitalisierungszentrum.

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