Philips P 2000: der Holländer aus Österreich
Geschrieben am 18.08.2026 von HNF
Die Premiere erlebte er am 16. April 1980 auf der Hannover Messe. Der Philips P2000 war der erste Mikrocomputer der Niederlande, gefertigt wurde er von der Philips-Tochter in Österreich. Vom Rechner kamen mehrere Versionen heraus, darunter auch ein tragbares Modell. Der P2000 verkaufte sich nicht besonders gut, seine Strapazierfähigkeit machte ihn aber für Schulen attraktiv.
Die niederländische Computergeschichte ist kompliziert; das Gleiche gilt für die Genese der Philips-Rechner. 1963 startete der Unternehmensbereich Philips Computer Industry, ab 1968 hieß er Philips Data Systems. Daneben gab es den Bereich Philips Telecommunications and Information Systems mit der Unterabteilung Informationssysteme. Sie ging auf die Siemag Feinmechanischen Werke zurück, die Philips 1969 übernahm. Die beiden Philips-Divisionen fusionierten erst 1985.
Vermutlich im Jahr 1979 entwickelte das Labor der österreichischen Philips Data GesmbH für die oben genannte Unterabteilung einen Acht-Bit-Computer. Das Technische Museum Wien verwahrt dazu einen Prototyp namens Philips P2000T. Bekannt ist, dass die zugehörige Software der Physiker Dieter K. Hammer erstellte, der später an der Technischen Universität von Eindhoven und an der Reichsuniversität Groningen lehrte. Das Rechner wurde dann auch in Österreich in Serie produziert.
Auf der Hannover Messe 1980 zeigte Philips die fertigen Modelle P2000T und P2000M. Ersteres wurde an einen Fernseher angeschlossen, das zweite an einen Monitor mit zwei Diskettenlaufwerken. Als Prozessor diente der Z80 von Zilog, der Arbeitsspeicher fasste in der T-Version sechzehn Kilobyte. Zwei Steckplätze nahmen Speichermodule und -Karten auf, außerdem war ein Kassettenlaufwerk integriert. Die Sprache BASIC musste man per Modul eingeben. Der P2000T ermöglichte Spiele mit Grafiken des Videotext-Systems.
Den P2000M – das M verschwand bald – pries Philips als Business-Computer an. Zu ihm brachte die britische Personal Computer World im Dezember-Heft 1981 einen längeren Artikel. Der Redaktion lag die Version mit einem Arbeitsspeicher von 48 Kilobyte und einem Monitor mit 24 Zeilen zu 80 Zeichen vor. Deutlich wird, das das Gerät schwierig zu bedienen und nicht billig war, jedenfalls in England. Der im Text erwähnte Endpreis mit Drucker und Software betrug 4.770 Pfund, was damals 20.000 DM entsprach.
Die nächsten Mitglieder der 2000er-Serie erschienen im September 1982. Die Typen 2000B und 2500 – sie sind oben abgebildet – erledigten die Textverarbeitung; sie unterschieden sich äußerlich voneinander und ebenso vom Rest der Familie. Kompatibel war im Hause Philips wenig. Im Mai 1983 stellte das Unternehmen in Wien das Editier-Terminal ET 100 vor, auch bekannt als P2001. Es kombinierte Computer- und Bildschirmtext-Funktionen, das Foto des Technischen Museums Wien lässt die Ähnlichkeit zu den Acht-Bit-Rechnern erkennen.
Die frühen 1980er-Jahre waren die goldene Zeit der Portablen, man denke an Osborne, Kaypro oder Compaq. Auch Philips hatte einen „Schlepptop“ im Angebot. Der P2000C kam 1983 in den Handel; er enthielt zwei Floppy-Laufwerke und zwei Z80-Chips. Er arbeitete in der CP/M-Welt, eine Steckkarte ließ ihn jedoch MS-DOS-Programme lesen. Hier steht ein Bericht über den Computer auf Deutsch und mit Fotos des Innenlebens. Das Video des HomeComputerMuseums in der Stadt Helmond zeigt ihn in Aktion.
Der P2000 führte viele Schülerinnen und Schüler in den Niederlanden zur Informatik, wobei der Hersteller hinter den Kulissen mithalf. Die IT-Entwicklung ging aber weiter. Philips wirkte beim MSX-Verbund mit, Philips Österreich brachte den Computer :YES heraus, die Kunden sagten aber Nein. Mit dem P3100 wagten sich die Niederländer 1984 in den PC-Markt, doch 1991 verkauften sie den Großteil der Computersparte an die Digital Equipment Corporation. Die DEC verschwand, Philips existiert noch, und das ist auch eine Leistung.


