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Im Morgenland: Informatik-Erfindungen aus Asien

Geschrieben am 18.09.2026 von

Die dritte Folge unserer Informatikgeschichte außerhalb von Europa und den USA widmet sich asiatischen Ländern. Dabei gehen wir von West nach Ost über den Globus und lassen Russland und die Türkei außen vor. Wir beschränken uns auf die Zeit von 1890 bis etwa 1940; wie in den ersten beiden Folgen konzentrieren wir uns auf Patentschriften.

Geschichte ist kompliziert. Als Israel Chaim Blumenthal am 29. April 1932 ein englisches Patent für eine „Automatic Typewriting Machine“ anmeldete, lag sein Wohnort Jerusalem im britischen Empire. Seit 1923 übte die Regierung in London ein Mandat des Völkerbunds zur Verwaltung von Palästina aus. Zuvor gehörte die Region vier Jahrhunderte lang zum Osmanischen Reich mit der Hauptstadt Istanbul.

Das Londoner Patentamt erteilte das Patent am 12. Oktober 1933 unter Nummer 399.586. Es galt einer Schreibmaschine mit einem Speicher, der den Text mit Hilfe von Elektromagneten in einem Lochband niederlegte. 1934 erwarb Haim Shroithman Patente mit den Nummern 417.392 und 417.639 für einen Dokumentenhalter ; er arbeitete wohl in einer Druckerei. 1939 folgte mit Nummer 502.839 ein Patent für Yeshaja Stern und seine Schreibmaschine mit hebräischen Buchstaben. Auch diese beiden Herren lebten in Jerusalem.

Taschenrechner aus dem Libanon: die „Calculating Device“ von Ivan Rubinsky von 1930

Mit ihren Erfindungen und der von Israel Chaim Blumenthal beginnt unsere Reise durch die asiatische Informatik-Geschichte; als Reiseführer dienen uns frühe Patente. Nördlich von Palästina erstreckte sich 1930 das Mandatsgebiet Frankreichs, das das heutige Syrien und den Libanon umfasste. In Beirut lehrte damals Ivan Rubinsky Ingenieurwissenschaft an der Amerikanischen Universität. Er erdachte ein kleines Rechengerät und bekam Ende 1932 das US-Patent 1.892.634. Sein „Calculating Device“ hilft beim Multiplizieren, man muss aber selbst noch Additionen ausführen.

Das nächste Land ist der Iran. In Enseli am Kaspischen Meer – heute heißt die Stadt Bandar Anzali – finden wir in den 1900er-Jahren den Russen Valerian Alexeeff. 1906 reichte er beim Berliner Patentamt seine erste Erfindung ein, eine Vorrichtung zur Fernübertragung von Zeigerstellungen; 1907 meldete er ein Selbstwähl-Telefonsystem an. Das Amt vergab dafür die Patente 197.948 und 236.899, für das Telefon gab es auch ein US-Patent. 1912 erhielt Alexeeff ein englisches und ein amerikanisches Patent für eine automatische Steuerung von Schiffen und Flugzeugen.

In Indien entstand das Dezimalsystem, und während des europäischen Mittelalters blühte die Mathematik. Rechenmaschinen ähnlich denen in Europa wurden keine entwickelt. Im 20. Jahrhundert importierte das Land seine Bürotechnik, siehe das Foto unten. Allerdings schauten wir uns keine Dokumente an – seit 1856 gab es ein indisches Patentgesetz. Das amerikanische Amt überliefert ein Patent von 1920 für eine Schreibmaschinen-Tastatur. Der Erfinder Framerz Mehervanji Muncherji Banaji unterrichtete Stenographie in Bombay.

Kasse bitte! Die Produkte des amerikanischen Herstellers NCR gelangten 1919 nach Indien.

Sri Lanka hieß einst Ceylon und war britische Kolonie. 1930 erfand hier Elliott Baillie Currie einen Golfsimulator für den Wohnzimmertisch, verständlich für einen Auslandsschotten. Abel Joseph Constant Cousin wurde in Frankreich geboren, er arbeitete 1928 als Priester in Bangkok im heutigen Thailand. In jenem Jahr reichte er eine Schreibmaschine für die thailändische Sprache beim amerikanischen Patentamt ein, dabei kooperierte er mit der Firma Underwood. Das Patent kam 1931, ob Underwood es realisierte, wissen wir nicht.

Auch in Shanghai lebten erfinderische Ausländer. Der Amerikaner Frederick Sutterle und der Schweizer Edwin Guignard meldeten in den 1910er-Jahren Zusätze für Schreibmaschinen beim US-Patentamt an, der Brite James Henry Smart tat dasselbe 1932 für ein Codiergerät. 1933 erhielt sein „Verfahren zur Übermittlung von chiffrierten Mitteilungen durch telegraphische Lochstreifensender“ außerdem ein deutsches Patent mit Nummer 583.407. Ein gebürtiger Chinese war Cheng Wen Chih aus Kanton (heute Guangzhou). Er bekam 1923 das US-Patent 1.455.710 für eine tragbare Rechenmaschine.

Südlich von Kanton am Meer liegt die Stadt Macau, die bis 1999 Portugal unterstand. Im Jahr 1900 wohnte dort Chow Ling Shang und erdachte ein Rechengerät mit Zahlenbändern, einen Nachfahren der Neperschen Stäbe. 1900 gab es ein amerikanisches, 1901 ein deutsches Patent. 1904 wurde in Macau Lee Yuk Wing geboren, der chinesische Norbert Wiener. In den 1930er-Jahren meldeten die beiden Forscher Patente für elektrische Netzwerke in den USA an, sie trugen die Nummern 2.024.900, 2.124.599 und 2.128.257. Später lehrte Lee am Massachusetts Institute of Technology (MIT); er starb 1989 in Kalifornien.

Grafik aus dem Schreibmaschinen-Patent von Suyeoto Fujiki von 1891

Unsere Reise durch Asien endet in Japan. Das Land erlebte ab etwa 1880 eine umfassende Modernisierung; 1885 trat ein Patentgesetz in Kraft. Im Januar 1903 erhielt Ryoichi Yazu ein Patent für eine Sprossenrad-Rechenmaschine, eine Grafik daraus ist unser Eingangsbild. Der „Automatische Abakus“ wurde in Serie gebaut. 1910 bekam Yazu posthum ein zweites Patent für eine verbesserte Version. Sein Landsmann Shohé Tanaka erwarb schon in den 1890er-Jahren deutsche Patente mit den Nummern 90.288 und 92.217 für ein Addiergerät. Eine Realisierung blieb aber aus.

Ein besonderes Kapitel bilden Schreibmaschinen. 1891 beantragte Suyeoto Fujiki ein US-Patent für ein winziges Gerät, das einzelne lateinische Buchstaben druckte. Ein ähnlicher Apparat erschien nach Ablauf des Patents in Italien. Die japanische Schrift beherrschte die Maschine von Kyota Sugimoto aus dem Jahr 1915. Hier geht es zum Patent aus Japan und hier zu dem aus Amerika. In den 1920er-Jahren brachte die Firma Ohtani – wir finden auch den Namen Otani – eine Maschine mit neuem Design heraus, 1940 folgte das Modell von Toshiba, das anderthalb Jahrzehnte produziert wurde.

Nicht vergessen wollen wir die Auslandsjapaner, die es in die USA zog. Nobyoshi Kodama aus New York war einer der Väter des Kettenaddierers; zusammen mit dem Amerikaner Abraham Gancher wurde ihm 1906 ein Patent erteilt. In Seattle wohnte damals Shohey Iyesaka. Vierzig Jahre vor der Geburt von Bill Gates in derselben Stadt erfand er schon eine elektrische Computing-Machine. Schließen möchten wir mit einem beliebten deutschen Erzeugnis, dem Geodreieck. Dieses hat einen vergessenen japanischen Vorläufer, wie das englische Patent 455.530 von 1936 beweist. Geschichte ist eben kompliziert.

Das japanische Geodreieck von 1936; das B bezeichnet eine Aussparung.

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