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Als VW noch Roboter baute

Geschrieben am 21.07.2026 von

In den 1970er- und 1980er-Jahren setzte die deutsche Autoindustrie große Hoffnungen in eine vermehrte Automatisierung. 1982 nahm das Volkswagenwerk die Halle 54 in Betrieb; dort wirkten Industrieroboter aus eigener Entwicklung an der Fertigung des Golf mit. Dem Berliner Museum für Verkehr und Technik, dem heutigen Deutschen Technikmuseum, stellte VW einen Roboter als Leihgabe zur Verfügung.

Am Anfang war die Automation. Vorformen gab es im 19. Jahrhundert, der ursprünglich amerikanische Begriff verbreitete sich ab 1947 in den Industriestaaten. 1961 arbeitete in einer Fabrik von General Motors der erste, noch einfache Industrieroboter. 1973 entwickelte das Volkswagenwerk ein schlaueres Modell. Es griff auf einen Minicomputer zurück; in der Wochenschau sehen wir Robby ab Minute 3:40 auf der Hannover-Messe von 1976.

1978 liefen in VW-Werken 85 Roboter der zweiten Generation. Vier Jahre später machte das Unternehmen einen großen Sprung nach vorn. Am 26. Juli 1982 begann in Wolfsburg die Halle 54 mit der Produktion. Sie lag und liegt am Nordrand des Fabrikgeländes, dort fand die Endmontage des VW Golf statt. Ab dem 18. Mai 1983 wurde der neue Golf II gefertigt. Der Bau und die Einrichtung des Halle kosteten gut zwei Milliarden DM; ein Teil des Geldes floss in die Konstruktion und Installation von Industrierobotern. Unterm Strich wurde ein Viertel der Arbeitsgänge automatisiert.

An der Halle 54 des Volkswagenwerks beginnt der grüne Norden von Wolfsburg.

Am 14. Dezember 1983 eröffnete in Berlin das Museum für Verkehr und Technik; heute heißt es Deutsches Technikmuseum. Dem Physiker Otto Lührs unterstand der Bereich für die naturwissenschaftlichen Grundlagen, außerdem betreute er kommissarisch die Energie-, Nachrichten-, Mess- und Datentechnik. Im September 1982 reiste Lührs nach Linz, um eine Tagung über Industrieroboter zu besuchen. Anschließend schrieb er die dort vertretenen Firmen an und fragte, ob sein Museum einen Roboter ausleihen und vorführen könnte.

Nach einigen Monaten kam eine positive Antwort von VW, und Lührs erhielt aus Wolfsburg ein Modell eigener Produktion, einen Manipulator vom Unimate-Typ. Das Volkswagenwerk sprach von einem Röhrenroboter, er ist im Eingangsbild zu sehen (Foto Stiftung Deutsches Technikmuseum). Wie sich Otto Lührs erinnert, stand er zunächst im offenen Innenhof des Museums, notdürftig durch eine Plane geschützt. Danach gelangte er ins Treppenhaus, wo er von Baustaub berieselt wurde; schließlich landete er bei der historischen Werkstatt. Hier konnte der Roboter dann Holzklötzchen stapeln.

Roboter am Golf, aufgenommen 1984 von Martin Langer (Foto Europeana/Deutsche Fotothek (C) Educational Use Permitted)

Lührs und seine Kollegen versuchten, so gut es ging, seine Programmierung zu bewältigen. Nach einem Jahr nahm ihn VW wieder mit – er war ja nur eine Leihgabe – und schickte einen etwas moderneren Knickarm-Roboter nach Berlin. In Wolfsburg wurde am 22. Februar 1984 die Halle 54 offiziell eingeweiht. Ein Foto aus jener Zeit zeigt einen Industrieroboter, der ebenfalls von VW gebaut wurde, man beachte das Logo. Nach und nach zogen jedoch die Modelle des Augsburger Herstellers Kuka ein, wir behandelten sie in unserem Blog.

Vom historischen Röhrenroboter bleibt also nur unser Eingangsbild. Die Roboter von Halle 54 nahm 1984 auch der Fotograf Martin Langer auf; die Deutsche Fotothek in Dresden verwahrt sein Werk. In den späten 1980er-Jahren schuf der Filmemacher Hartmut Bitomsky die Dokumentation „Der VW-Komplex“; in der YouTube-Version erscheint die Halle 54 bei Minute 49:00 und 1:02:00. Das Ton ist ein deutsch-französisches Mischmasch, man erkennt aber gut, wie damals in Wolfsburg Autos gebaut wurden.

Otto Lührs vor dem Knickarm-Roboter; er befindet sich inzwischen im Depot des Museums.  (Foto Stiftung Deutsches Technikmuseum)

Die Fachleute sind sich nicht einig, ob die Halle mit ihren Robotern wirklich eine gute Idee war. Sie dient aber bis heute als Paradebeispiel für die Automatisierung. Wir verweisen auf einen oft zitierten Aufsatz aus dem Jahr 2014. Glaubt man der allwissenden Künstlichen Intelligenz, so beschäftigt der VW-Konzern 2026 in seinen Fabriken mehrere zehntausend Industrieroboter; sie stammen von den bekannten Lieferanten wie ABB, Fanuc oder Kuka.

Zum Schluss bedanken wir uns bei Eva Kudrass vom Deutschen Technikmuseum für die Fotos und bei Professor Lührs für die fachlichen Hinweise.

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