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Ein Superhirn mit acht Bit

Geschrieben am 24.07.2026 von

Er enthielt nicht einen, sondern zwei Prozessoren, die Werbung sah ihn schon in der Gruppe der populärsten Mikrocomputer. Der Acht-Bit-Rechner Superbrain wurde ab 1979 von der Firma Intertec im US-Bundesstaat South Carolina gebaut. 1981 verkaufte sie Systeme im Wert von 17 Millionen Dollar, dann aber kam der IBM PC heraus. 1991 beendete Intertec den Betrieb.

Columbia gilt als die Verkörperung der Vereinigten Staaten, der Name bezeichnet aber auch einen Ort in South Carolina. Dort sitzen die Regierung, das Parlament und die Universität des US-Bundesstaats. Nach dem besser bekannten Charleston ist Columbia die zweitgrösste Stadt im Land und hatte 2020 knapp 140.000 Einwohner.

In Columbia befand sich ab 1979 die Firma Intertec Data Systems. Gegründet wurde sie im Jahr 1973 im US-Staat North Carolina durch den ehemaligen IBM-Forscher William Wells. Viel wissen wir nicht über ihn, er könnte einer der Studenten in diesem Foto von 1956 sein, das einen Analogrechner zeigt. Intertec fertigte Computerterminals und konkurrierte unter anderem mit der Digital Equipment Corporation DEC. Eine Anzeige von 1978 verrät schon eine Vorliebe für Superlative.

Das Grundmodell des Superbrain  (Foto Tom Murphy VII CC BY-SA 2.0)

1979 brachte Intertec den Mikrocomputer Superbrain heraus. Er operierte mit zwei Acht-Bit-Prozessoren vom Typ Z80. Einer erledigte die normalen Aufgaben, der andere kümmerte sich um die Diskettenlaufwerke; diese erhielten die damals üblichen Floppys von fünfeinviertel Zoll. Das Betriebssystem war CP/M. Der Arbeitsspeicher nahm 32 Kilobyte auf und ließ sich auf 64 Kilobyte erweitern. Der monochrome Monitor maß zwölf Zoll oder 30,5 Zentimeter und umfasste 24 Zeilen zu 80 Zeichen. Die Grundversion des Rechners kostete 2.995 Dollar.

Beim Anblick des Superbrain schlugen die Herzen der Star-Trek-Fans höher, ein futuristisches Design hatten aber schon die älteren Terminals DEC VT05 und das ADM-3A von Lear Siegler. Das Superhirn verkaufte sich gut, 1980 erschien ein weiteres Intertec-System, CompuStar. 1981 setzte der Hersteller 17,2 Millionen Dollar um, der Reingewinn betrug 3,7 Millionen. 1982 stiegen der Umsatz auf 27,3 Millionen und der Gewinn auf 7,9 Millionen Dollar. Im selben Jahr kam der verbesserte Superbrain II, er ist oben in unserem Eingangsbild zu sehen. 1983 beschäftigte Intertec sechshundert Menschen.

Superbrain QD der Enter Technikwelt Solothurn (Foto Bobo11 CC BY-SA 3.0 seitl. beschnitten)

Im Juli-Heft 1981 schrieb das Magazin CHIP über den Computer; den Artikel findet man hier. Den Rechner gab es bei uns für 8.000 DM, was dem Preis eines Volkswagen Polo entsprach. CHIP verglich den Superbrain mit dem Modell II des Tandy TRS-80, das 2.000 Mark mehr kostete – Informatik war vor 45 Jahren nicht billig. Der Artikel macht deutlich, dass man zur vollen Nutzung des Computers, etwa für Textverarbeitung, weitere Hardware anschaffen musste. Klar wird, dass sich das Superhirn vor allem an Profis richtete.

CHIP lobte das Betriebssystem, die ausführliche Dokumentation und das schnelle Disketten-Handling. Beklagt wurde das Fehlen eines deutschen Handbuchs und die Beschränkung auf Fünf-Zoll-Disketten – gemeint waren wohl fünfeinviertel Zoll. Der Autor vermisste jedenfalls die großen Acht-Zoll-Floppys. Zitat: „In gewissem Sinn ist der Superbrain mit CP/M also ein Entwicklungsplatz für 8080-Assembler-Programme, mit einem Unterschied: wird als Utility ein BASIC-Interpreter hinzugefügt, dann ist der Superbrain … ein ganz normaler und dazu komfortabler BASIC-Rechner.“

Ein Superbrain im HomeComputerMuseum im niederländischen Helmond, darunter steht ein Tektronix 4051.

Das positive Urteil konnte den Absturz aber nicht verhindern. Die Marktmacht des IBM PC und kompatible Rechner mit Windows-Betriebssystemen führten dazu, dass Intertec 1985 die Superbrain-Produktion stoppte. Ein Neustart als Wells American Corporation half wenig. 1991 war die Firma bankrott und verschwand. Überlebt haben die Intertec-Dokumente im Bitsavers-Archiv sowie Hardware in einigen Museen. Ein Abkömmling des Superbrain, der Computer Sistema 700, wurde in den 1980er-Jahren in Brasilien gebaut.

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