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Uvumbuzi – Informatik-Ideen aus Afrika

Geschrieben am 28.07.2026 von

Das Wort  „Uvumbuzi“ stammt aus dem in Ostafrika gesprochenen Swahili; es bedeutet Entdeckung, Erfindung oder Innovation und wird so langsam auch in Europa bekannt. Im Folgenden möchten wir untersuchen, welche Patente kluge Köpfe aus Afrika im Gebiet der Informatik erhielten. Wir beschränken uns dabei auf die Zeit, bevor Computer, Handys und Taschenrechner den Kontinent eroberten.

Eine Anmerkung vorab: Unser Blogbeitrag soll nicht die Herrschaft entschuldigen, die europäische Nationen einschließlich Deutschland in Afrika ausübten. Sie verrieten dabei ihre humanistischen Ideale und führten sinnlose und brutale Kriege gegen die Bevölkerung. Wir können aber die Ära des Kolonialismus nicht aus der Erfindungsgeschichte streichen, eben wegen der Erfindungen, die damals gemacht wurden und durch Patente belegt sind.

Unsere Reise zu afrikanischen Innovationen beginnt im Nordwesten des Kontinents, in der marokkanischen Hafenstadt Casablanca. 1932 wohnte im Boulevard Emile-Zola 701 der funkbegeisterte Pierre-Joseph Grospas. Am 26. September erhielt er das französische Patent 736.967 für ein Gerät zum Empfang elektromagnetischer Wellen. Es war wohl besonders für Kurzwellen gedacht. Grospas meldete seine Apparatur auch in England an, bekam aber keinen Bescheid. Überliefert ist noch ein US-Patent aus dem Jahr 1956 zur Ölbohrtechnik.

3D-Erfinder Louis Ducos du Hauron (1837-1920)

In der algerischen Hauptstadt Algier lebte von 1881 bis 1900 der französische Fotopionier Louis Ducos du Hauron. In den 1890er-Jahren erwarb er Patente für gedruckte Stereobilder, etwa dieses aus den USA. Im Hafen Mustapha – der richtige Name lautet Sidi M’Hamed – war in den 1920er-Jahren der Marineoffizier Charles Frédéric Jean Marie Bertin stationiert. Ihm verdanken wir ein Gerät mit Elektromotoren, das die Integralkurve zu einer Funktion erstellte und den Kurs eines Schiffes berechnete. Hier geht es zum US-Patent.

Auf Algerien folgt Tunesien; dort liegt nahe Tunis der Ort Hammamet. 1912 hatte er nur 3.000 Einwohner, aber eine Schule, die Louis Laforêt leitete. Er reichte in den Patentämtern von Paris, London und Berlin eine mechanische Datenbank ein. Das deutsche Patent 275.824 nannte sie einen „Schaukasten zur selbsttätigen Lösung rechnerischer Aufgaben und zur Beantwortung von Fragen verschiedener Art“. In ihm drehten sich Scheiben mit kleinen Magneten. Die Grundidee des Kastens realisierte Laforêt auch als Spiel „Ich weiß alles“.

Das ägyptische Alexandria war die Wissenshauptstadt der Antike. Hier schuf Euklid seine Geometrie, und Heron baute die ersten Automaten. 1899 wurde Ägypten zum Mutterland der arabischen Schreibmaschine, denn Selim S. Haddad aus Kairo erhielt das amerikanische Patent 637.109 für „Types for Type-Writers or Printing-Presses“. Die genaue Geschichte der Erfindung möchten wir einem späteren Blogbeitrag vorbehalten und nur noch das US-Patent 1.738.950 von 1929 nennen. Es ging an Ben Zion Goldenberg aus Alexandria für einen Mechanismus in Schreibmaschinen mit zwei unterschiedlichen Schreibrichtungen.

Scheibenrechner des Südafrikaners Benjamin Talbot (Patentgrafik)

Wir springen nach Südrhodesien, dem heutigen Zimbabwe. Im Ort Bulawayo – inzwischen ist er eine Großstadt – wohnte der Bergbauingenieur William Crosley; 1903 erfand er ein Gerät zum Lösen von Dreisatz-Aufgaben; es handelte sich, wie im Eingangsbild zu sehen, um einen drehbaren Kegel mit einem Koordinatensystem. Die amerikanische Behörde erteilte dem „Rechenschieber und Rechner“ das Patent 748.050. Benjamin Talbot lebte in Pretoria in der Südafrikanischen Union. Für sein Recheninstrument aus zwei Scheiben bekam er 1932 das englische Patent 372.746.

Das US-Patent 2.343.821 erhielt zwölf Jahre später Gerhard Tichauer in Kapstadt; er könnte ein Flüchtling aus dem Deutschen Reich gewesen sein. Seine Erfindung war ein Planimeter zur Flächenmessung. Gleich vier Südafrikaner meldeten 1953 in Washington ein Gerät zum Berechnen von Polynomen und zum Lösen von Gleichungen an. Das amerikanische Patent wurde 1959 unter Nummer 2.868.448 erteilt. Die Maschine des Erfinder-Quartetts erinnert an den Seilcomputer von John Wilbur, den wir im Blog schilderten.

Die Patent-Landkarte von Afrika weist eine große Lücke in der Mitte auf, also zwischen der Sahara und dem Kongo. 1931 erdachten aber zwei Äthiopier, die in London ansässig waren, Schrifttypen für das in ihrer Heimat benutzte amharische Alphabet. Ayana Birrou – man findet ebenso den Namen Birru – und Alem Work Bayana erwarben dafür die britischen Patente 378.402 und 388.511. Birrou wurde um 1900 geboren und studierte in England Bergbautechnik. Er starb 1937 im Krieg gegen die Truppen Italiens, die 1935 Äthiopien überfielen und danach teilweise eroberten.

Amharische Schrifttypen von Ayana Birrou (Patentgrafik)

Ayana Birrou gilt als der Vater der äthiopischen Schreibmaschine. Den spärlichen Quellen zufolge fertigte die Firma Olivetti in den frühen 1950er-Jahren das erste Gerät dieser Art; es basierte wahrscheinlich auf älteren italienischen Maschinen. Das Museum der Universität Harvard besitzt eine Olivetti 82 mit amharischen Buchstaben aus dem Jahr 1959. Auch die Olympia-Werke lieferten ihr Modell SG 3 mit Tasten und Typen für Afrika. Ein Aufsatz zum Thema steckt leider hinter einer Bezahlschranke.

Am 23. Oktober 1934 genehmigte das Londoner Amt das Patent Nummer 418.330; es betraf eine Glühbirne für Filmkameras, die die Tonspur eines Filmstreifens belichteten. Eingereicht hatte es ein Bürger der Stadt Mombasa in der englischen Kolonie Kenia. Heinrich August Treviranus war aber kein Kolonist, sondern ein Weltenbummler, vorher lebte er auf Samoa und in Brasilien. Er starb 1974; geboren wurde er 1892 in Schieder östlich von Detmold. Ostwestfalen-Lippe ist wirklich überall.

Afrikanische Innovatoren aus jüngster Zeit listet die englische Wikipedia auf. Manche Informatiker emigrierten in den Norden, etwa Bernard Meltzer und Seymour Papert aus Südafrka, Shiraz Shivji aus Tansania und Samuel Fedida aus Ägypten. Der dort geborene Mohammed Atalla – in den USA hieß er Martin Atalla – wirkte an der Erfindung des MOSFET und der PIN mit. Unser letzter Erfinder blieb im Lande. König Njoya residierte in Kamerun und erfand in den 1890er-Jahren eine Schrift und eine Geheimsprache. Das können wir wirklich ein oder eine – die Sprache Swahili gendert nicht – Uvumbuzi nennen.

Erfinderischer Monarch: König Njoya von Bamun (westliches Kamerun)

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