Bitte lächeln!

Geschrieben am 12.12.2017 von

Am 19. September 1982 wurden die Smileys geboren. Damals schlug der amerikanische Informatiker Scott Fahlman „:-)“ und „:-(“ als Kennzeichen von lustigen und schlechten Nachrichten vor. Von Mailboards sprangen die Symbole in Chats und Mails; schnell vermehrten sie sich. So kam etwa das Ironiegesicht „;-)“ hinzu. In den 1990er-Jahren entstanden in Japan die künstlerischen Emojis.

„Punkt Punkt Komma Strich – fertig ist das Mondgesicht.“ So lernt wohl jedes Kind im deutschen Sprachraum, wie man einen Menschen zeichnet. Dabei stehen die Punkte natürlich für die Augen, das Komma darunter ist die Nase. Der Strich für den Mund muss nicht unbedingt gerade, sondern darf auch leicht gebogen sein, und er zaubert ein freundliches Lächeln herbei.

Das wussten bereits im 19. Jahrhundert die Drucker. 1881 montierte das New Yorker Magazin „Puck“ Satzzeichen zu stimmungsvollen Gesichtern. 1903 brachte ein Techniklexikon aus Frankreich komplette Köpfe zu Papier. Noch besser machte es die deutsche Reichspost: 1896 erschien in einem Fachblatt eine telegraphische Zeichenkunst mit gereimten Versen. Besonders gut gefällt uns links oben der „Hughser“, der den gleichnamigen Telegrafen bedient. Er belegt, dass der weltbekannte User im kaiserlichen Berlin erfunden wurde.

Smileys der „Deutschen Postzeitung“. Der Hughes-Telegraf bedruckte einen Papierstreifen.

Wenn wir den Papierstreifen aus dem Bild der „Deutschen Postzeitung“ um neunzig Grad drehen, hätten wir eigentlich schon Smileys. Es fehlt aber das Wichtigste: der Computer. Vor einem solchen oder dem zugehörigen Terminal saß 1979 Kevin MacKenzie. Er studierte an der Universität von Südkalifornien und hatte Anschluss an die Newsgroup des zehn Jahre alten ARPANET. Am 12. April des Jahres schlug er dort die Zeichenreihe „-)“ für Botschaften vor, die nicht ganz ernst gemeint waren.

Der Vorschlag ist erhalten – bitte etwas scrollen. In seinem Posting nannte MacKenzie als Inspiration einen älteren Artikel der Familienzeitschrift „Reader’s Digest“. Tatsächlich kam im Heft vom Mai 1967 eine Tante Ev vor, die ironische Behauptungen mit „-)“ abschloss. Diese Quelle ist ebenfalls online, siehe die vier blauen Zeilen. Leider wurde Evs und Kevins Idee von der ARPANET-Gruppe abgelehnt und geriet in Vergessenheit. Auch Kevin MacKenzie verschwand aus dem Netz; er hat sich jedenfalls nie wieder zu Smileys gemeldet.

Scott Fahlman – Seine Gesichter kamen an.

Damit war der Weg frei für Scott Fahlman, einen Informatiker der Carnegie-Mellon-Universität im amerikanischen Pittsburgh. Am 19. September 1982 regte er in einer Nachricht an die Mailbox der Universität an, den Anhang „:-)“ für witzige und „:-(“ für weniger witzige Inhalte zu nutzen. Der damalige Online-Dialog lässt sich im Internet nachlesen. Die Debatte ging über missverständliche Mitteilungen und die Frage, wie man Klarheit schaffen kann. Wahrscheinlich war Fahlman der ältere Vorschlag mit dem -) unbekannt.

Was Kevin MacKenzie verwehrt blieb, schaffte also Scott Fahlman. Seine Idee wurde positiv aufgenommen und setzte sich durch. Seit nunmehr 35 Jahren verzieren Smileys die E-Mails dieser Welt. Die beiden Pioniere wurden durch viele weitere Kombinationen ergänzt, etwa das ironische „;-)“ oder das ratlose „:-/“. Das Zeichen „:-0“ bedeutet Staunen und „^^“ ein Lächeln. In den frühen 1990er-Jahren erschienen die ersten Smiley-Verzeichnisse; hier ist eines von 1991 und hier ein anderes von 1993.

Harvey Ball vor seinem berühmtesten Werk

Den Unterschied zwischen Smileys, Emoticons und Ideogrammen möchten wir den Experten überlassen und nur kurz erwähnen, dass Smileys in Japan Kaomojis heißen und in die Breite gehen. Genannt werden muss aber der amerikanische Werbefachmann Harvey Ball: Er schuf die lächelnde Sonne, die ab 1963 auf Buttons und Aufklebern leuchtete. In den Siebzigern wurde sie in Europa bekannt. Da Ball vergaß, seinen Entwurf als Markenzeichen schützen zu lassen, verdiente er daran nur 45 Dollar. Er starb 2001 im Alter von 79 Jahren.

Auch Shigetaka Kurita bekam wenig für seine Emojis, denn er zeichnete sie im Dienst einer japanischen Telefongesellschaft. 1999 entwarf er 176 Symbole mit zwölf mal zwölf Pixeln, die die mobile Kommunikation unterstützten. Sie eroberten Japan und später den Rest der Welt. Einen gewaltigen Sprung nach vorn machten sie mit dem Aufkommen der Smartphones. Inzwischen gibt es nahezu 3.000 und einen speziellen grafischen Standard. 2017 wurden die Emojis sogar verfilmt. Was so alles aus einem Kinderreim werden kann! 🙂 🙂 🙂

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