Die Computer des Chuck Peddle

Geschrieben am 02.06.2017 von

Wir wissen nicht den Tag, aber vor 80 Jahren wurde der Ingenieur Chuck Peddle geboren. Seine bekannteste Schöpfung, der Commodore PET 2001, kam vor 40 Jahren heraus. Ebenso wichtig war der von ihm entworfene Mikroprozessor MOS 6502. Er steckte im Apple I und Apple II. Der daraus abgeleitete MOS 6510 trieb den Commodore C64 an.

Sein voller Name ist Charles Ingerham Peddle, doch die Computerwelt kennt ihn nur als Chuck Peddle. Geboren wurde er 1937 in Bangor im US-Bundesstaat Maine; die Vorfahren wanderten aus dem nahen Kanada ein. Das genaue Geburtsdatum wissen wir leider nicht, sicher ist aber, dass Peddle zu den Vätern der Mikrocomputer-Revolution gehört, die um 1977 startete und danach die ganze Welt erfasste.

Schon früh betrat Chuck Peddle die Welt der Großrechner. Nach der High School und dem Militärdienst im Marinecorps studierte er an der Universität seines Heimatstaats. 1960 machte er den Abschluss in technischer Physik und arbeitete in der Computersparte von General Electric. 1970 machte er sich selbständig und gründete eine Firma, die eine elektronische Registrierkasse entwickeln wollte. Das Unternehmen scheiterte jedoch.

Chuck Peddle um 1980

Anschließend probierte es Chuck Peddle mit Textverarbeitung, was allerdings auch nicht klappte. 1973 ging er zur Elektronikfirma Motorola, wo er zu dem Team gehörte, das in Arizona einen Mikroprozessor entwickelte. Solche Prozessoren waren erst zwei Jahre vorher von Intel in Kalifornien erfunden wurde. 1971 erschien der Intel 4004 auf dem Markt, der vier Bit lange Adressen verarbeitete. 1974 brachte Motorola den MC6800 für acht Bit heraus. Schärfster Konkurrent war der Mikrochip Intel 8080.

Beide Mikroprozessoren kosteten 360 Dollar pro Stück. Bei seiner Arbeit und durch Diskussionen mit Kunden erkannte Peddle diverse Möglichkeiten, um die Kosten der Fertigung zu senken. Auf diese Weise hätte man einen Mikrochip mit einem Endpreis von 25 Dollar produzieren können. Das Management von Motorola hielt wenig von Peddles Ideen. 1975 wählten er und einige Kollegen den Abschied und wechselten zur Firma MOS Technology in Norristown im Bundesstaat Pennsylvania.

Hier entwickelten Chuck Peddle und sein Team den 8-Bit-Prozessor MOS 6502 mit einer Taktrate von einem Megahertz. Er leistete mehr als der MC6800 und der Intel 8080, kostete aber nur die erwähnten 25 Dollar. Als der Chip im September 1975 auf den Markt kam, wurde er ein Bestseller. Er erregte auch das Interesse zweier Elektronik-Enthusiasten in Kalifornien: Steve Jobs und Steve Wozniak. Die beiden kauften einige hundert Stück und bauten sie in ihr erstes Produkt ein, den Einplatinenrechner Apple I. Im Juli 1976 kam er in den Handel.

MOS Technology KIM-1

Schon im Frühjahr 1976 hatte Chuck Peddle einen Einplatinenrecher fertiggestellt, den Keyboard Input Monitor KIM-1. Er sollte vor allem 6502-Chips vorführen, entpuppte sich aber als vielseitig einsetzbarer Mikrocomputer, vielleicht der erste überhaupt. Nach einer Speichererweiterung arbeitete er mit der Programmiersprache BASIC; außerdem ließ er sich an einen preiswerten Monitor anschließen. Die im Oktober 1978 gegründete Zeitschrift CHIP widmete dem KIM-1 im ersten Heft – wir berichteten im Blog – einen langen Artikel.

1976 stand Chuck Peddle in Kontakt mit Jack Tramiel, dem Direktor der Firma Commodore. Sie fertigte Taschenrechner, und MOS lieferte Chips dazu. Peddle überzeugte Tramiel, dass die Zukunft beim Mikrocomputer lag, und Tramiel gab ihm einen Entwicklungsauftrag. Ende 1976 wurde MOS von Commodore übernommen, und Peddle übernahm den Posten des Chefingenieurs. Im Januar 1977 konnte er den Prototyp des Commodore PET 2001 vorzeigen. In den Handel gelangte der Mikrocomputer – siehe Eingangsbild – aber erst im Oktober.

Der PET öffnete zusammen mit dem Apple II und dem TRS-80 von Tandy die Computerwelt dem Normalverbraucher. Seine Tastatur war gewöhnungsbedürftig, und der Arbeitsspeicher fasste zunächst nur vier Kilobyte. Er enthielt aber einen Bandspeicher mit Audiokassetten und brachte die Programmiersprache BASIC mit. Lieferant war die Firma Microsoft, die damals noch in New Mexico saß. Im Inneren des PET tickte der Mikroprozessor 6502, den auch der Apple II nutzte. Der TRS-80 verwendete den Z80-Chip von Zilog.

Commodore VC-20

Mit der Zeit wurde der PET größer und schöner und führte zur CBM-Serie. Den erprobten 6502-Prozessor finden wir ebenso im Commodore VIC-20. Er kam 1980 heraus; bei uns hieß er VC 20 oder „Volkscomputer“. Er enthielt einen leistungsfähigen Videochip. Weltweit wurden mehr als eine Million Systeme verkauft. Das Brotkasten-Design übernahm Commodore 1982 für den legendären C64, der noch erfolgreicher war. Sein Mikroprozessor vom Typ MOS 6510 basierte auf dem 6502.

Als der C64 seinen Höhenflug antrat, arbeitete Chuck Peddle nicht mehr für Commodore. Er leitete seit 1980 die Firma Sirius, die 1982 in Victor umbenannt wurde. Sie baute den von ihm entworfenen Personal Computer Victor 6000; in Deutschland hieß er Sirius I. Er kam Ende 1981 heraus und konkurrierte mit dem IBM PC; wie dieser besaß er den Mikroprozessor Intel 8088. In Europa eroberte der Sirius den ersten Platz unter den 16-bit-Rechnern. Als IBM aber seinen PC einführte, war Victor schnell am Ende. 1984 meldete die Firma Konkurs an.

Danach ging Peddle zur Firma Tandon, die IBM-kompatible Personal Computer fertigte; in den Neunzigern arbeitete er für einen indischen Elektronikhesteller. Was er zur Zeit macht, ist unbekannt, aber es geht ihm wohl ganz gut. Hier sehen wir ihn mit einem kecken Hütchen im Jahr 2014; die Aufnahme entstand für den Dokumentarfilm The Commodore Wars. In diesem Video von 1982 redet er etwas länger und im piekfeinen Anzug. Einer der ganz Großen in der Welt der kleinen Computer.

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Ein Kommentar auf “Die Computer des Chuck Peddle”

  1. Das HNF ehrt Chuck Peddle auch in seiner „Wall of Fame“ in der Kategorie „Mikroprozessoren“. Die Zusammenstellung der 152 Mitglieder der Wall of Fame erfolgte nach einem Kategoriensystem, das die Computertechnik und ihr Umfeld in 36 Gebiete einteilt und für jedes eine hervorragende Persönlichkeit oder Gruppe bestimmt. Dazu kommen ergänzende Pioniere. Zu jedem Pionier erscheint eine Namensseite mit Fotos, biografischem Text und weiteren Medien.

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