Dancing_Musee_Guimet_1905

Das war Mata Hari

Geschrieben am 07.08.2026 von

Der 7. August ist der 150. Geburtstag von Margaretha Zelle, besser bekannt unter dem Namen Mata Hari. Sie kam im niederländischen Leeuwarden zur Welt. 1905 trat sie als spärlich bekleidete Tänzerin auf und zog reiche Verehrer an. 1916 versuchte sie sich als Agentin, 1917 wurde sie in Paris der Spionage für Deutschland angeklagt und hingerichtet.

Sie zählt zu den Mythen der Geheimdienstgeschichte, obwohl sie nur eine schlechte Spionin war: Mata Hari. Geboren wurde sie am 7. August 1876 als Margaretha Geertruida Zelle in Leeuwarden, der größten Stadt in der niederländischen Provinz Friesland. Vater Adam Zelle besaß ein Hutgeschäft und kam an der Börse zu Geld. Seine Vorfahren stammten aus Rheda in Ostwestfalen, dem heutigen Rheda-Wiedenbrück.

Mata Hari starb am 15. Oktober 1917 vor einem Erschießungskommando, 2017 erzählten wir ihr Leben im Blog. Als Frau eines Kolonialoffiziers lernte sie Java und Sumatra kennen; kurz vor der Scheidung begann sie 1905 eine Karriere als asiatisch angehauchte Tänzerin – „Mata Hari“ ist das malaiische Wort für Sonne. Männer verfielen ihr, und sie erhörte ihre Bitten. Der Krieg änderte das alles. 1916 verpflichtete sie sich dem deutschen und dem französischen Geheimdienst. Im Februar 1917 wurde sie in Paris verhaftet, im Juli folgte ein kurzer Prozess. Er endete mit dem Todesurteil.

Nach dem Ersten Weltkrieg avancierte Margaretha Zelle in Büchern und Filmen zu einer Superspionin. Ein typisches Beispiel ist ein Trailer mit Greta Garbo aus dem Jahr 1931. Erst 1964 erschien eine einigermaßen korrekte Biografie. Der Autor, der in Amsterdam geborene Sam Waagenaar, gab ihr den Titel „De moord op Mata Hari“ – das müssen wir wohl nicht übersetzen. Die deutsche Ausgabe „Sie nannte sich Mata Hari“ kann man nach Anmeldung im Internet Archive studieren. Das Buch mag inzwischen überholt sein, es bildet aber eine gute Einführung in unser Thema.

Große Dame in schwieriger Zeit: Mata Hari, aufgenommen 1915.

1999 veröffentlichte der britische Inlandsgeheimdienst MI5 seine Papiere über Mata Hari; zum Verständnis sollte man vorher das Buch von Sam Waagenaar lesen. 2017 setzte die Geschichtsabteilung des französischen Verteidigungsministeriums die Unterlagen ihres Spionageprozesses ins Internet. Der Link dazu steht auf dieser Seite bei „En savoir plus“, ein Aufruf löste jedoch auf unserem Computer einen Datenschutz-Alarm aus. Schon 2001 wurden die Dokumente in Buchform herausgebracht. Weder die eine noch die andere Freigabe löste große Enthüllungen aus.

Die deutschen Mata-Hari-Akten liegen im Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg. Sie befinden sich im sogenannten Gempp-Bericht über den militärischen Nachrichtendienst des Kaiserreichs. Die Schrift entstand zwischen 1928 und 1944, ihr Verfasser, Generalmajor Friedrich Gempp, wurde 1873 in Freiburg geboren und starb 1947 in einem Gefängnis in Moskau. Im Ersten Weltkrieg war Gempp aktiv im Geheimdienst tätig, seinen Bericht schrieb er später für das Amt Ausland/Abwehr oder kurz Abwehr, die Spionage-Organisation im Oberkommando der Wehrmacht.

Unsere Spionin kommt zweimal im Band 16 vor, der im Bundesarchiv die Signatur RW 5/49 trägt. Er ist online und lässt sich hier anschauen, bitte auf „Digitalisat anzeigen“ klicken. Die erste Erwähnung steht auf den Seiten 89 und 90 und geht auf Friedrich Gempp zurück. Am Schluss heißt es: „Die Matahari [sic!] wurde in Paris verhaftet, vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und in Vincennes erschossen, ohne wesentliche Leistungen gezeitigt zu haben.“ Vincennes ist die südöstliche Nachbargemeinde von Paris, wo in einem Wäldchen Hinrichtungen stattfanden.

Die letzten Fotos von Margaretha Zelle entstanden im Februar 1917.

Der zweite Beleg ist der Brief eines Majors Roepell vom Oktober 1940, er erscheint gegen Ende des Bandes als Anhang zur Anlage 8. Im Mai 1916 fungierte Roepell – damals war er noch Hauptmann – zusammen mit seiner Geheimdienst-Kollegin Elisabeth Schragmüller kurzzeitig als Mata Haris Ausbilder. Man traf sich in Köln und in Frankfurt, und Agentin H 21, wie ihr Deckname lautete, erlernte unter anderem den Umgang mit unsichtbarer Tinte. Mata Hari hat nie zugegeben, auf diese Weise geschrieben zu haben.

In seinem Brief lieferte Roepell eine Charakterisierung der Agentin. Er glaubte, dass sie „sehr gut beobachtet und gemeldet hat; denn sie war eine der klügsten Frauen, die ich je kennengelernt habe“. Die Mitteilungen von ihr seien belanglos gewesen, doch vielleicht wurden Nachrichten abgefangen; Roepell dachte wahrscheinlich an Hotelpersonal, das Briefe klaute. Sein Fazit: Mata Hari hat bestimmt Spionage für Deutschlands getrieben, und „ich bin der Meinung, dass sie von den Franzosen – leider – zu Recht erschossen wurde“.

Das kann man so oder anders sehen, und Herr Roepell klingt nicht sehr logisch. Zum Leben von Margaretha Zelle gibt es aber durchaus offene Fragen. Ein Beispiel: Zeigt dieses Foto – bitte etwas scrollen – ihre Hinrichtung? Sicher ist, dass noch bis zum 9. Dezember 2026 eine Mata-Hari-Ausstellung in ihrem Geburtsort Leeuwarden läuft. Wir empfehlen außerdem einen TV-Bericht aus dem Jahr 2017. Wer Niederländisch versteht, findet auf YouTube die Mata-Hari-Miniserie der katholischen Fernsehstation KRO von 1981. Sie wurde deutsch synchronisiert auch bei uns ausgestrahlt.

2005 ließ das HNF in einer Sonderausstellung Mata Hari wieder auferstehen.

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