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John Diebold (1926-2005)

Geschrieben am 09.06.2026 von

Er war der andere Diebold, nicht der von Diebold Nixdorf. John Diebold wurde am 8. Juni 1926 in Weehawken im US-Bundesstaat New Jersey geboren. Ab 1952 schrieb er Bücher zur Automation und propagierte den Einsatz von Computern in der Wirtschaft. Von 1954 bis 1991 leitete Diebold eine große Unternehmensberatung. Er starb am 26. Dezember 2005.

Man nannte ihn angeblich Mr. Automation. Er hat diesen Zweig der Technik nicht erfunden und ebenso wenig das Wort dafür, in unserem Blog schilderten wir die wahren Ursprünge. John Diebold war aber ein eifriger Autor, früher Computerfreund, erfolgreicher Manager und hervorragender Netzwerker, kurz, ein Katalysator des technischen Fortschritts.

Zur Welt kam er am 8. Juni 1926 in Weehawken; der Ort liegt am Hudson River gegenüber von Manhattan in New Jersey. Vater William war Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer. Man lebte im bescheidenen Wohlstand, 1937 lernte John Diebold auf einer Europareise Deutschland kennen. 1944 und 1945 diente er auf einem Frachter und überquerte mehrere Male den Nordatlantik. Die Gefahr durch deutsche U-Boote war kleiner als in den Jahren zuvor, aber beim Landgang in Antwerpen entging John Diebold mit knapper Not einem V1-Einschlag.

John Diebold (Foto JackMullins CC BY-SA 4.0 seitlich beschnitten)

Nach dem Krieg studierte er Wirtschaftswissenschaft an einem College in Pennsylvania und anschließend Betriebswirtschaft in Harvard. 1950 und 1951 leitete Diebold ein Projekt zur automatischen Fabrik und zum Einsatz von Elektronenrechnern; dabei besuchte er den Mathematiker John von Neumann in Princeton und Kybernetik-Erfinder Norbert Wiener im MIT, der gerade The Human Use of Human Beings verfasst hatte, ein Buch über den Einfluss des Computers auf die Gesellschaft. Bei uns hieß es „Mensch und Menschmaschine“.

1951 machte Diebold den Master-Abschluss, 1952 legte er selbst ein Buch vor: „Automation – The Advent of the Automatic Factory“.  Man kann es nach Anmeldung im Internet Archive lesen, der deutsche Titel lautete „Die automatische Fabrik – Ihre industriellen und sozialen Probleme“. Das Werk passte zu den Debatten, die damals in den USA und später in Europa begannen. Diebold konzentrierte sich auf die Industrie, das Transportwesen und größere Büros, er behandelte aber auch die Börse. Ein Kapitel widmete sich dem „Handling of Information“, also der Datenverarbeitung.

John Diebolds Buch in der deutschen Neuausgabe von 1984

2026 interessieren wir uns natürlich für die im Buch erwähnte vergessene Hardware wie den CRC 102 oder die Produkte der Firma Potter. John Diebold sah außerdem einen Kinofilm, der 1951 die technologische Arbeitslosigkeit ausmalte, The Whistle at Eaton Falls. Die Pfeife im Titel meinte die Sirene einer Fabrik. Bis 1998 brachte Diebold ein Dutzend weiterer Bücher zur Informationstechnik heraus, die teilweise auf Vorträgen basierten. Bereits 1965 erschien über ihn eine akademische Studie, gleichfalls lesbar nach einer Anmeldung im Internet Archive.

1954 startete er die Beratungsfirma John Diebold & Associates – letztere bestanden aus seiner Ehefrau Doris. Die beiden saßen im Haus der Familie in Weehawken und warteten anderthalb Jahre auf den ersten Kunden. Danach lief das Geschäft besser, und man zog nach New York. Ab 1961 hieß das Unternehmen The Diebold Group. Ein Filmclip zeigt den Chef 1957, bitte zu Minute 1:20 gehen. Sein jugendliches Aussehen kompensierte Diebold durch einen immensen Fleiß und eine ungebremste Reiselust. In den frühen 1960er-Jahren gründete er in Eschborn die Diebold Deutschland GmbH.

Heinz Nixdorf und John Diebold, wohl um 1969 aufgenommen. Beide Unterschriften dürften von Nixdorf stammen. Das Foto ist aus dem HNF-Archiv und wurde etwas mit KI geglättet.

1965 umfasste seine Gruppe dreizehn Firmen und beriet mehr als 250 Kunden. Am Ende des Jahres landete John Diebold neben fünf anderen Millionaires under 40 auf dem Cover des Magazins TIME. 1968 schuf er eine Stiftung für Technikfolgenabschätzung und den Einsatz von Computern für soziale Zwecke, das Diebold Institute for Public Policy Studies. Immer noch informativ sind die Diebold-Statistiken der einst in der Bundesrepublik installierten elektronischen Rechenanlagen. Dieser Link führt zur Liste vom 1. Januar 1972.

1991 verkaufte Diebold seine europäischen Firmen an die Debis AG, eine Daimler-Benz-Tochter, und beschränkte sich auf die Stiftung. Er starb am 26. Dezember 2005 in seinem Haus nördlich von New York. Live erleben kann man ihn in einem anderthalbstündigen Film, den der TV-Journalist Max H. Rehbein 1980 drehte. Aus demselben Jahr stammt ein Artikel über ihn aus dem Magazin „New York“, in dem auch Rehbeins Fernsehteam vorkommt. Das Internet Archive hält nach Anmeldung eine bebilderte Biografie von 1965 bereit.

John Diebold kannte sich gut mit der Technikgeschichte aus. Unser Eingangsbild zeigt daher ein Foto aus den 1910er-Jahren von den ansatzweise automatisierten Ford-Werken.

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