PERM: das Rechenmonster aus München
Geschrieben am 05.05.2026 von HNF
Perm ist eine russische Stadt, die 1723 gegründet wurde; später erhielt ein Erdzeitalter den Namen. Ab 1956 diente das Wort in Großbuchstaben als Kürzel für Programmgesteuerte Elektronische Rechenanlage München. Die PERM stand in der Technischen Hochschule; sie war der erste Computer von einer westdeutschen Universität. Am 8. Mai 1956 nahm sie den regulären Dienst auf.
Im Frühjahr 1956 liefen schon Computer von Pionier Konrad Zuse, sie arbeiteten jedoch alle mit Relais. Die Elektronenrechner G1 und G2 betrieb ein Max-Planck-Institut in Göttingen. In der Technischen Hochschule Dresden war die röhrenbestückte D1 von Nikolaus Lehmann im Prinzip fertig, leider wissen wir nicht, wann sie offiziell eingeweiht wurde.
Wir dürfen aber sagen, dass die PERM das erste Elektronengehirn in einer westdeutschen Universität war. Sie entstand ab 1951 im Institut für elektrische Nachrichtentechnik und Meßtechnik der Technischen Hochschule München, ein Fachartikel von 1955 findet sich hier. PERM stand für Programmgesteuerte Elektronische Rechenanlage München; am 8. Mai 1956 ging sie in Betrieb. Eine andere Deutung des Kürzels lautete „Pilotys Erstes Rechen-Monster“; zwei TH-Angehörige dieses Namens wirkten an der Geburt des Computers mit.
Hans Piloty wurde 1894 in Berlin geboren und studierte, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, Elektrotechnik an der TH München. Nach der Promotion arbeitete er 1925 für die AEG in Berlin, ab 1931 lehrte er an seiner alten Hochschule. Von 1948 bis 1951 war er Rektor der TH und leitete das oben erwähnte Institut. Sein Sohn Robert kam 1924 in München zur Welt. Er studierte ebenfalls Elektrotechnik bis zum Doktor. Vater und Sohn Piloty konnten kurz nach Kriegsende die USA besuchen und die Fortschritte der Elektronik kennenlernen.
Die Pilotys gaben den Anstoß zum PERM-Projekt, Robert Piloty betreute den Bau der Hardware. Eine zweite Arbeitsgruppe unter dem Mathematikprofessor Robert Sauer widmete sich der Programmierung. Hier saßen unter anderem die Mathematiker Klaus Samelson und Friedrich L. Bauer. Ihm verdanken wir eine Übersicht über die Entwicklung der PERM, bitte zu PDF-Seite 16 gehen. Ihre Entwickler hatten im Münchner Amerikahaus Zugriff auf die Bücher des Massachusetts Institute of Technology zur jüngsten Mikrowellen-Technik.

Ein Röhrenmodul oder Flip-Flop zum Speichern eines Bits aus der PERM (Foto Deutsches Museum CC BY-SA 4.0 seitlich beschnitten)
Die PERM enthielt 2.400 Röhren und 3.000 Halbleiter-Dioden; als Arbeitsspeicher diente eine Magnettrommel für 8.192 Worte. Jedes umfasste 51 Bit; Zahlen wurden in Gleitkomma-Form dargestellt. Später kamen ein Kernspeicher für 2.048 Worte und Magnetbänder hinzu. Dieser Link führt zu einem Foto und dieser zu einem TV-Bericht von 1956; die „Revolution der Roboter“ war eine Veranstaltung der TH München zur Automation. Zu Beginn spricht Hans Piloty ein Grußwort, nach ihm erklärt Computerpionier Alwin Walther das Dualsystem. Ab Minute 6:36 sehen wir dann die Innereien der PERM.
Wie bereits erwähnt, fand am 8. Mai 1956 die Einweihung statt – nicht am 7. Mai, wie man manchmal liest. Das war die Reportage der „Neuen Berner Zeitung“. Der Rechner arbeitete bis 1974 in der TH, ab 1970 TU München. Danach wurde er eingelagert, von 1988 bis 2022 konnte man ihn in der Informatik-Ausstellung im dritten Obergeschoss des Deutschen Museums besichtigen. Wir hoffen, dass er auch in der geplanten Neuauflage der Ausstellung erscheint; inzwischen ist er der älteste existierende Röhrencomputer aus Deutschland.
Noch in der aktiven Zeit der PERM veränderte sich die Münchner Informatik tiefgreifend. Im Jahr 1962 gründete die Bayerische Akademie der Wissenschaften eine Kommission für elektronisches Rechnen; sie schuf ein Rechenzentrum, das 1966 nach Gottfried Wilhelm Leibniz benannt wurde. Es saß im TH-Viertel und betrieb einen Computer gemeinsam für die Technische Hochschule und die Münchner Universität. Der erste war 1964 eine Telefunken TR 4; 1970 folgte eine TR 440 vom gleichen Hersteller. Heute befindet sich das Leibniz-Rechenzentrum in Garching nördlich der Landeshauptstadt.
Unser Eingangsbild zeigt die PERM, als sie im Deutschen Museum stand; von ihm stammt auch das Foto. Die Vitrine enthält den Trommel- und den Kernspeicher. Hier geht es zu einer Aufnahme wohl aus den 1950er-Jahren. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften legte 2014 eine Biografie von Hans Piloty und zwei anderen Nachrichtentechnikern vor; wir können die Lektüre sehr empfehlen. Last not least feiert die Ludwig-Maximilians-Universität den Umzug von Landshut nach München im Jahr 1826. Das ging alles ohne Computer, aber wir möchten dennoch herzlich gratulieren.