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Computer im Museum (X) – die Jubiläumsausgabe

Geschrieben am 12.06.2026 von

Heute erschient die zehnte Folge unserer jährlichen computerhistorischen Reise-Serie; sie kommt zehn Jahre nach dem Start. Mathematisch ist das unmöglich, doch 2018 besuchten wir auch einmal Musikautomaten. Folgen Sie uns also zu Museen und Ausstellungen mit Computern, Robotern und Rechenmaschinen. Während es 2025 in die Welt hinaus ging, bleiben wir dieses Mal zumeist im Lande.

Gestern begann in Mexiko und Umgebung eine Weltmeisterschaft, doch was ist Fußball, wenn man ebenso gut die Geschichte der Informatik studieren kann? Unsere diesjährigen Urlaubstipps führen zu neuen Sehenswürdigkeiten und älteren Plätzen, die zu Unrecht vergessen wurden. Wie schon früher praktiziert, ordnen wir die Ziele nach Postleitzahlen; am Ende kommt noch ein internationales Kapitel.

10243 Berlin. Erinnert sich noch jemand ans Nokia N-Gage? Es kam 2003 in den Handel und vereinte ein Handy mit einer Handheld-Spielkonsole. Das System verschwand 2006 wieder vom Markt und gilt allgemein als Flop. Das Computerspielemuseum zeigt es aber in einer Sonderausstellung, die – das sei verraten – aus Finnland stammt. Die Grundidee erlebte später triumphale Erfolge in Form des Smartphones mit Game-Apps wie Candy Crush.

Weder Fisch noch Fleisch war das N-Gage, es ging im Markt unter. Dieses überlebte im HNF.

14195 Berlin. Im grünen Dahlem liegt das Zuse-Institut Berlin, ein Forschungsinstitut für angewandte Mathematik und Supercomputing. Im Treppenhaus des Seitenflügels befindet sich die Hardware-Sammlung, die zu Bürozeiten zugänglich ist. Man findet Großgeräte wie eine Zuse Z25, zwei Crays und ein PowderHorn 9310. So hieß eine Bandbibliothek mit Roboterarm aus den 1990er-Jahren. Voll ausgebaut fasste sie insgesamt 28,8 Petabyte. Im Haus direkt gegenüber, dem Informatik-Institut der FU Berlin, stehen ebenfalls Schätze, zum Beispiel eine SM 1401, ein sowjetischer PDP-11-Nachbau.

28865 Lilienthal-Worphausen. Die Freunde der Astronomiegeschichte kennen Lilienthal bei Bremen als Wirkungsstätte von Johann Hieronymus Schroeter, der 1794 das erste deutsche Riesenteleskop errichtete. Im Nachbardorf Worphausen lockt das Handwerkermuseum mit antiken Schreib- und Rechenmaschinen und historischer Fernmeldetechnik die Besucher an. Geöffnet wird es an Markttagen, siehe diese Liste und die Homepage des Hauses.

37124 Rosdorf. Endlich können wir es vorstellen, das Computer Cabinett Göttingen CCG. Es belegt im südlichen Vorort Rosdorf einen Teil des RoSaFiege-Saals und ist an jedem dritten Mittwochabend im Monat zugänglich; weitere Veranstaltungen teilt die Internet-Seite mit. Die Sammlung umfasst kleinere und größere Computer sowie Lehrsysteme und mechanische Rechenmaschinen. Gefreut haben wir uns natürlich über das wunderschöne Nixdorf-Schild.

PowderHorn-Bandbibliothek des US-Herstellers StorageTek. Sie fasste knapp 29 Petabyte. (Foto Computerhistorische Sammlung des Zuse-Instituts Berlin)

38100 Braunschweig. Am Altstadtmarkt erhebt sich das Altstadtrathaus aus dem Mittelalter; heute nutzt es unter anderem das Städtische Museum. Die Abteilung Mensch, Maschine! führt durch die Industriegeschichte von 1850 bis 1960 und erwähnt Grimme, Natalis & Co., den Hersteller der Brunsviga-Rechenmaschinen. Die Hardware-Sammlung der Firma dürfte aber im Depot des Braunschweigischen Landesmuseums lagern, dessen Hauptgebäude noch eine Weile wegen Sanierung geschlossen ist.

51065 Köln. Seit April 2024 denkt auch die Metropole am Rhein an die IT-Geschichte. Das Computermuseum Cologne, kurz CMC, liegt im Schulzentrum Buchheim im gleichnamigen Stadtteil; Gründer Nihat Sevinc unterrichtet Informatik und sammelt Rechenmaschinen und Mikrocomputer. Besuchstage sind selten, doch es lassen sich Treffen außerhalb der Reihe vereinbaren, vor allem, wenn man Sachspenden mitbringt. Das Stadtmuseum in 50667 Köln erinnert, wie ein Foto beweist, an die Firma Interton und ihre Spielkonsole VC4000.

53113 Bonn. Das Arithmeum am Hofgarten besuchten wir mehrmals im Blog. Bis 2027 läuft dort die Ausstellung „Eine Goldmedaille für die Multiplikation – Léon Bollée (1870-1913) und seine Erfindungen“. Der Franzose konstruierte 1889 in der Stadt Le Mans eine der ersten Rechenmaschinen mit direkter Multiplikation. Er baute zudem ein luftiges Mini-Auto mit drei Rädern, die Voiturette. Und wer in der Bundesstadt ist, sollte in 53175 Bonn die Zweigstelle des Deutschen Museums aufsuchen. Sie widmet sich der Künstlichen Intelligenz und zeigt wie das HNF die sprechende Roboterin Ameca, die in Bonn Mira heißt.

Eine Thales-Rechenmaschine mit Sprossenrädern aus Rastatt. (Foto µ-Museum)

64732 Bad König. Es öffnet nicht oft, aber dafür in einem Kulturdenkmal, der Hamburger Zigarrenfabrik, und das Technikmuseum Matthias Schmitt, abgekürzt Tecmumas, bietet ein vorbildliches Objektverzeichnis und diverse Bildergalerien an. In der Ferienzeit kommt man am 13./14. Juni, 4./5. Juli, 15./16. August und 13. September hinein und darf sich dann an lauffähigen Systemen einschließlich eines Flippers austoben.

76473 Rastatt. Das µ-Museum – man kann auch Mikro-Museum sagen – sitzt im Haus der ehemaligen Thales-Rechenmaschinenfabrik. Es enthält laut der Homepage Exponate zum mechanischen und elektronischen Rechnen, zur Computer- und Videospielgeschichte; das ist eine Fotoseite dazu. 2026 gibt es außerdem eine Sonderausstellung zur Historie der Schreibmaschine. Das Museum öffnet in der Regel am Sonntagnachmittag, gelegentlich noch an anderen Tagen. Am besten vor dem Besuch im Internet nachschauen.

80333 München. Das ist ein echter Knaller. Die Pinakothek der Moderne präsentiert bis 2027 Robotic Worlds in der Designabteilung. Nachdem Computer lange Zeit keinen Zutritt hatten, griff sie nun hinein ins volle Roboterleben und versammelte die schönsten Modelle und Spielzeuge, es gibt sogar einen Katalog. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Professor Gordon Cheng vom Lehrstuhl für Kognitive Systeme der TU München, der auch Leihgaben beisteuerte. Nicht vergessen sei aber die schon 2022 eingeweihte Roboterschau im Deutschen Museum.

Was nun? Der Golem des Deutschen Museums bekam Konkurrenz durch Design-Roboter.

94474 Vilshofen. Hans Franke kennen wir als nimmermüden Organisator des Münchner Vintage Computer Festival Europa. In Vilshofen an der Donau betreibt er das Computeum, das einen winzigen Teil seiner gewaltigen Hardware-Sammlung an die Öffentlichkeit bringt. Es schildert mit ausgewählten Objekten den Weg zum PC, genauer gesagt, zum IBM PC/AT. Das Museum ist jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr zugänglich.

Nun noch drei Ziele außerhalb Deutschlands. Wir beginnen mit der Technischen Sammlung auf der dänischen Insel Bornholm. Sie hat einen Computerraum und Geräte von den 1960er- bis zu den 2000er-Jahren. Star der Kollektion ist ein Minicomputer GIER aus den frühen Sechzigern. In Utrecht in den Niederlanden eröffnete im März ein Apple-Museum. Gründer und Leiter Ed Bindels baute auch die Garage von Steve Jobs und Steve Wozniak nach, wie im ZDF-Video zu erkennen. Last not least kehren wir im Computer Museum beider Basel ein.  Es liegt in Pratteln und öffnet an jedem letzten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr.

Schon jetzt wünschen wir den Lesern und Leserinnen einen schönen Urlaub mit oder ohne Computer. Sollten Sie eine technikhistorische Sammlung vermisst haben, bitte die älteren Folgen unserer Serie konsultieren, speziell die von 2016, 2017, 2019 und 2024.

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Wir stellen diese Frage, um Menschen von Robotern zu unterscheiden.