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Wahlnacht mit IBM

Geschrieben am 03.11.2026 von

Am heutigen 3. November wird in den USA gewählt. Zur Abstimmung stehen alle Plätze im Repräsentantenhaus, 35 der 100 Senatssitze und 39 Gouverneursposten. Daher betrachten wir noch einmal die Geschichte der Hochrechnungen, die 1952 in Amerika begann. Zwei Computer sagten damals den Sieg des späteren Präsidenten Eisenhower voraus. Was passierte aber bei den folgenden Wahlen?

UNIVAC hatte einen schlechten Tag. Am Abend des 2. November 1954 sah der Computer im Dienst des Fernsehnetzwerks CBS einen Triumph der Demokraten bei den amerikanischen Kongresswahlen voraus. Die Partei hatte am Ende in beiden Häusern des Kongresses die Nase vorn, aber nicht in dem Ausmaß, wie das Elektronengehirn dachte. Das Versagen ging offenbar auf einen Fehler bei der Datenübermittlung zurück.

Die US-Wahlen von 1954 waren die zweiten in der Welt, bei deren Auswertung Computer mithalfen. Zwei Jahre vorher setzte CBS bereits eine UNIVAC ein, als Ex-General Dwight D. Eisenhower die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten errang. Leider wurde die korrekte Prognose den Fernsehzuschauern stundenlang verschwiegen, sodass das konkurrierende Netzwerk NBC als Erstes den Sieg von Eisenhower meldete. Es stützte sich auf einen eher kleinen Monrobot-Rechner. 1954 stellte NBC im Wahlstudio keinen Computer auf.

Die Ehre der Informatik rettete ein System in Detroit. Dort betrieb die Wayne-Universität den Unitized Digital Electronic Computer UDEC von der Firma Burroughs. Am 2. November 1954 lieferte UDEC eine Hochrechnung für die Zeitung Detroit Times; sie betraf einen der beiden Senatssitze für den US-Bundesstaat Michigan, in dem sich Detroit befindet. UDEC votierte für den demokratischen Kandidaten Patrick McNamara, der bei der Stimmauszählung zunächst hinter dem republikanischen Rivalen lag. McNamara wurde am Ende gewählt, und die „Detroit Times“ erhielt einen Journalistenpreis.

1955 war Großbritannien das zweite Land mit einer politischen Hochrechnung. Sie fand bei der Unterhauswahl statt, die BBC nutzte das Ergebnis, den Sieg der Konservativen, aber nur im Rundfunk. Die nächste Wahl mit Fernseh-Prognosen kam in den USA. Am 6. November 1956 trat Präsident Eisenhower, ein Republikaner, wie 1952 gegen den demokratischen Politiker Adlai Stevenson an. Diesmal installierten alle TV-Netzwerke – zu CBS und NBC stieß noch die Senderkette ABC – für die Wahlnacht eine Verbindung zu einem Computer.

Wahlcomputer Burroughs E101 in der Redaktion der Detroit Times am 6. November 1956 (Foto Computer History Museum)

CBS blieb der UNIVAC treu; hier kann man sich Fotos von damals anschauen. Erkennbar ist, dass zur Konsole noch Bandlaufwerke aufgestellt wurden. Im Studio fanden sich neben dem Moderator Douglas Edwards CBS-Gründer William Paley und seine Gattin Barbara ein, die als schönste Frau Amerikas galt. Auf YouTube überlebte eine Viertelstunde der CBS-Sendung mit der Fernsehlegende Walter Cronkite. Bei Minute 12:30 beginnt ein Abstecher zur Remington-Rand-Zentrale in New York, wo der wahre UNIVAC-Wahlcomputer samt der Peripherie und dem herumwuselnden Bedienpersonal stand.

Das Netz ABC griff zum Rechner Elecom 125. Er stammte vom Schreibmaschinen-Hersteller Underwood, der 1953 die in New York sitzende Electronic Computer Corporation erwarb. Das Gerät ist das letzte auf dieser Liste, es enthielt 450 Röhren und eine Magnettrommel als Arbeitsspeicher. Der Elecom-Hochrechner lief im Underwood-Kundenzentrum an der New Yorker Park Avenue und verkündete kurz nach 20 Uhr den Sieg von Präsident Eisenhower. Die Firma machte Reklame mit dem Einsatz zur Wahl – bitte zu PDF-Seite 29 gehen – schloss aber 1957 die gesamte Computerabteilung.

Die Senderkette NBC gewann IBM zur Mitarbeit. Sie stellte, siehe Eingangsbild (Foto Computer History Museum), ihr Modell IBM 705 zur Verfügung, den ersten Seriencomputer mit Kernspeicher. Er befand sich im Hauptquartier der Firma in New York, als Zulieferer dienten draußen im Lande kleinere Systeme vom Typ IBM 650. Zwei Anlagen brummten im NBC-Wahlstudio im Rockefeller-Center in Manhattan. Dort zeigte außerdem eine fünfzehn Meter lange elektromechanische Datentafel die einlaufenden Zahlen und Prognosen an.

Wie es scheint, hat sich Big Blue nie der Wahlnacht von 1956 gerühmt; das hing vielleicht damit zusammen, dass IBM-Chef Thomas Watson junior den unterlegenen Demokraten zuneigte. Einige Informationen bringen Pressemitteilungen der NBC, die man hier lesen kann, bitte PDF-Seite 15 und 231 aufsuchen. In späterer Zeit wirkten IBM-Computer jedoch bei vielen Wahlen mit; die erste deutsche Hochrechnung produzierte am 19. September 1965 eine IBM 1620 in Bad Godesberg.

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