WanzenFinder´

1966 – das Jahr der Wanze

Geschrieben am 26.06.2026 von

„The Big Snoop“, das große Schnüffeln, so überschrieb die amerikanische Illustrierte LIFE im Mai 1966 einen langen Artikel. Er behandelte die winzigen Lauschgeräte, die sich leicht verstecken ließen und das, was sie aufnahmen, per Funk an neugierige Hörer weitergaben. Die Minispione, wie sie oft genannt wurden, verbreiteten sich vor 60 Jahren auch bei uns.

Der erste bekannte Schnüffler in Deutschland war der Postminister. Richard Stücklen (CSU) führte seinen Kabinettskollegen im März 1966 einen Minispion vor. Er schickte mitgehörte Gespräche per UKW-Funk über eine Entfernung von zweihundert Metern. Das Gerät unterlag wie so vieles in der Fernmeldetechnik einem gesetzlichen Verbot, die Post baute es aber für 89 DM nach. Im freien Handel kostete es zwischen einhundert und zweitausend Mark.

Das lesen wir im SPIEGEL vom 13. März 1966. Drei Monate vorher hatte er die Zustände im Ausland geschildert. In England wurden bis Dezember 1965 dreihundert Kleinstspione verkauft und eine unbekannte Zahl verliehen, in Amerika gehörten sie zum Alltag. Schon 1964 strahlte das TV-Magazin Panorama einen Bericht über Abhörgeräte in den USA aus, den wir als Einführung in unser Thema empfehlen. Das amerikanische Englisch kennt das Wort „bug“ für Minispione, die zu unseren Wanzen wurden. Dem deutschen Abhören entspricht das „eavesdropping“.

Steampunk-Wanze mit US-Patent aus den 1900er-Jahren

Der Einsatz von Wanzen hat nichts mit staatlichen Lauschaktionen zu tun, denen wir 2018 einen Blogbeitrag widmeten. In den 1960er-Jahren betätigten sich neben dem Bundesamt für Verfassungsschutz noch die drei westlichen Siegermächte, die sich gewisse Rechte dafür einräumten. Abgehört wurde in der Regel durch Anschlüsse im Telefonnetz. Für Minispione waren private oder dienstliche Telefonapparate und die Leitungen, die zu ihnen führten, ein beliebter Platz. Die Weitergabe der so geernteten Informationen erfolgte durch Funk.

Das Mutterland der Lauschtechnik sind natürlich die USA; das erste Patent für eine solche Apparatur wurde 1907 erteilt. In den 1950er-Jahren blühte das Feld auf, vor allem durch die Verbreitung des Transistors und eine laxe Strafverfolgung. Es gab prominente Praktikanten wie Jim Vaus, Harold Lipset und Bernard Spindel; die Karriere von Jim Vaus führte 1955 zu einem Hollywood-Film. 1959 lag eine dicke wissenschaftliche Studie unter dem Titel The Eavesdroppers vor. Etwas kürzer ist dieser Artikel aus dem Jahr 2016.

Im Juni 1966 berichtete die internationale Ausgabe der LIFE über Minispione.

1964 prangerten Autoren wie Vance Packard die Minispione an, hier sind weitere Links. Am 20. Mai 1966 griff die Illustrierte LIFE das electronic snooping auf. Sie porträtierte besonders Schnüffelexperten Bernard Spindel. Die deutschen Situation skizzierte im November 1967 der SPIEGEL; er nannte auch Wanzen-Lieferanten. Am 22. Dezember 1967 trat § 298 des Strafgesetzbuches in Kraft. Er verbot heimliche Tonbandaufnahmen und die unbefugte Nutzung von Abhörgeräten. Ihre Herstellung und Vermarktung blieben jedoch erlaubt.

1969 erschienen bei uns zwei Bücher zu ihnen. „Spion in der Streichholzschachtel“ schrieb der Fernsehjournalist Helmut Greulich; der Elektronik-Autor Günter Wahl eröffnete mit „Minispione“ eine ganze Serie über die Technik. 007-Vater Ian Fleming interessierte sich wenig für Wanzen, im 1957 verfassten Roman „James Bond jagt Dr. No“ hat der Superagent nur Ärger mit einen echten Tausendfüßler, im Original „centipede“. In Bond-Filmen tauchen aber gelegentlich elektronische Lauscher auf.

Wanze aus der Sammlung der Business Security Group der Deutschen Telekom AG  (Foto Museumsstiftung Post und Telekommunikation CC BY-SA 4.0 seitlich beschnitten)

Das niederländische Crypto Museum präsentiert eine umfangreiche Minispion-Parade und Geräte zum Aufspüren derselben, bitte zum TSCM equipment scrollen. Unser Eingangsbild zeigt einen Detektor aus dem HNF, der vermutlich aus den 1980er-Jahren stammt. Er ist so groß wie ein Brillenetui, die Herkunft wissen wir nicht. Rund einhundert Treffer erbringt die Suche nach alten und neuen Wanzen in der Fotosammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Sechzehn Bilder bietet die Stasi-Mediathek an.

Damit endet unser Ausflug in die Wanzengeschichte. Die aktuellen Ausgaben sind im Fachhandel erhältlich, etwa im Berliner SpyShop oder im Münchner Spy Shop – bitte die Schreibweisen beachten. Wiener und Wienerinnen können sich ebenfalls in einem Spy Shop eindecken; als internationaler Versand operiert die Spy-Welt. Wir bitten um Verständnis, wenn wir keine Links angeben; ein paar Geheimnisse möchten wir für uns behalten.

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