Der Computer aus der Funkbude

Geschrieben am 29.09.2017 von

Im Januar 1977 enthüllte Commodore den PET; im April zeigte Apple den Apple II. Anfang August 1977 präsentierte die Firma Tandy den TRS-80. Diese drei Mikrocomputer waren die ersten, die viele Nutzer in Amerika erreichten. Der TRS-80 wurde ab Dezember 1977 durch die zu Tandy gehörende Ladenkette Radio Shack verkauft und auch in Deutschland bekannt.

Kabumm! Am 3. August 1977 erschütterten Bombenexplosionen zwei Wolkenkratzer in Manhattan. Ein Mensch starb, acht wurden verletzt. Verantwortlich war eine Kampfgruppe zur Befreiung der Insel Puerto Rico, die heute weitgehend vergessene FALN. Am nächsten Tag füllten Berichte über die Anschläge die amerikanischen Zeitungen. Eine Pressekonferenz der Tandy Corporation, die am 3. August in New York stattfand, wurde kaum beachtet.

Der Pressetermin galt dem neuen Mikrocomputer TRS-80 der Ladenkette Radio Shack. Gegründet im Jahr 1921 in Boston, war sie seit 1963 ein Teil des texanischen Unternehmens Tandy, das seit 1919 Lederwaren verkaufte. Radio Shack – das Wort heißt „Funkkabine“ wie die auf dem Schiff – bot Medientechnik und Elektronikartikel für Otto Normalverbraucher an. Die Kette zählte 5.200 Läden in den USA und mehr als 1.000 im Rest der Welt; hinzu kam das Versandgeschäft per Katalog.

TRS-80-System mit Tastatur, Erweiterungsmodul, Monitor, Kassettenrecorder und Diskettenlaufwerk

Am 5. August 1977 eröffnete die Universität von Boston eine Fachmesse für Personal Computer. Auch hier wurde der TRS-80 gezeigt, und diesmal erregte er mehr Aufsehen. Die Nachrichtenagentur AP verfasste einen begeisterten Artikel über die Kleinrechner, der den TRS-80 und seinen Preis von 600 Dollar („so viel wie eine gute Stereoanlage“) hervorhob. Zitat: „Computer, die Karten spielen, Steuern berechnen oder die elektronischen Geräte in der Wohnung steuern, werden bald zum Alltag gehören.“

Die Zeitungsberichte, die die AP-Meldung auslöste, brachten Tandy sechs Postsäcke mit Bestellungen ein; 15.000 Anrufe ließen die Telefonzentrale zusammenbrechen. Alles in allem trugen sich 250.000 Interessenten in die Warteliste ein. Ausgeliefert wurde der TRS-80 ab Dezember 1977, und bald lag er an der Spitze der 8-bit-Rechner. Radio-Shack-Läden und –Versand setzten 1978 rund 100.000 Computer ab. Das entsprach der Hälfte des Marktes. Die andere Hälfte teilten sich der Apple II und der Commodore PET mit kleineren Marken.

Das Grundmodell des TRS-80 umfasste die Tastatur und darunter die Hauptplatine; diese enthielt einen Z80-Prozessor der Firma Zilog mit einem Arbeitsspeicher von 4 Kilobyte. Ein Schwarzweiß-Fernseher diente als Monitor, ein Kassettenrecorder als externer Speicher. Im Eingangsbild ist das „Expansion Interface“ zu erkennen; es enthielt weiteren Speicherplatz und einen Drucker. Programmiert wurde der TRS-80 mit einer BASIC-Variante. Der Monitor brachte 16 Zeilen, aus Kostengründen aber nur mit Großbuchstaben.

Der elegante TRS-80 Color Computer erzeugte auch Farbgrafiken.

Der Vater des TSR-80 war der Radio-Shack-Einkäufer Don French. Er besaß einen der seit 1975 verkauften Altair-Computer und staunte über die 10.000 Exemplare, die in einem Jahr an die Kunden gingen. 1976 konnte er John Roach, den technischen Direktor von Radio Shack, für den Plan gewinnen, einen eigenen Mikrocomputer zu bauen. Für die Entwicklung engagierte man in Kalifornien den jungen Elektronikspezialisten Steven Leininger. Insgesamt kostete das TRS-80-Projekt nur 150.000 Dollar.

Der Erfolg des „Trash Eighty“ rief eine umfangreiche Computerfamilie ins Leben, die unter dem Label TRS-80 vermarktet wurde. Die technischen Grundlagen waren unterschiedlich. So benutzte der Color Computer von 1980 nicht mehr den Z80-Prozessor, sondern Motorola-Chips. Der aus Japan stammende Kyotronic 85 mutierte 1983 zum TRS-80 Model 100, einem Urahn des modernen Laptop. In den 1990er-Jahren zogen sich Tandy und Radio Shack aus der Computerproduktion zurück. 2015 erfolgte die Insolvenz.

In der Bundesrepublik unterhielt die Tandy Corporation seit 1974 eine Filiale in Ratingen. Der große Erfolg blieb ihren Rechnern hier aber versagt. Immerhin widerfuhr dem TRS-80 die Ehre, als erster Mikro im SPIEGEL erwähnt zu werden. Im Heft 12/1979 hieß es: „Der Tandy TRS 80 steht für eine aufstrebende Spezies von Rechenmaschinen, die Kleinstcomputer.“ Das galt trotz der Tatsache, dass bis März 1979 erst 7.000 Stück jener Maschinen verkauft wurden. Zur Illustration nahm das Nachrichtenmagazin ein Foto des Commodore PET.

 

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Ein Kommentar auf “Der Computer aus der Funkbude”

  1. Norbert sagt:

    Sehr interssanter Artikel, schön wieder einmal davon zu lesen.
    Der Tandy TRS-80 war 1981 mein erster Mikrocomputer mit Kassettenrecorder. Als Speichermedium nahmen wir immer günstigeren C-30-ger Musikkassetten, man war das immer eine Sucherei nach den Programmen. Ein Jahr später folgte der Apple II. Als Funkamateure hatten wir damals gute Verbindungen in die USA und bekamen regelmäßig die neusten Platinenlayouts von dort. So wurde der Apple ständig erweitert. Der Rechner wurde dann einige Jahre später durch einen IBM XT ersetzt. Erst 2007 habe ich mich von dem Apple ganz getrennt.
    Schönen Gruß
    Norbert, DD8BV

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