Als der erste Computer wieder auferstand
Geschrieben am 12.05.2026 von HNF
Am 12. Mai 1941 führte Konrad Zuse in Berlin die V3 vor, später erhielt sie den Namen Z3. Sie führte ein Rechenprogramm mit Relais aus und war der erste Computer. 1943 wurde die Z3 im Krieg zerstört, 1962 schuf Konrad Zuses Firma, die Zuse KG, einen Nachbau und zeigte ihn auf einer Ausstellung in München.
Die Geburt des Computers schilderten wir im Blog schon 2016 und 2021 jeweils im Mai. Denn am 12. Mai 1941 schaltete Konrad Zuse in Berlin den frei programmierbaren und mit 2.600 Relais ausgestatteten Digitalrechner V3 ein, auch bekannt unter dem Kürzel Z3. Zum heutigen 85. Geburtstag möchten wir ein nahe verwandtes Gerät behandeln, den ersten Nachbau der Z3 aus dem Jahr 1962.
Das Urmodell wurde bekanntlich im Bombenkrieg zerstört. Leider hat es Zuse niemals fotografiert; in seinem Nachlass im Deutsche Museum liegen viele Schaltpläne, aber nur zwei Skizzen des Computers, die er wohl aus dem Gedächtnis anfertigte. Die Z3 umfasste einen Schrank für das Rechenwerk und zwei für die Speicherrelais – sie mögen 2,20 Meter hoch gewesen sein – sowie das Bedienpult und das Gerät zum Eingeben des Programms. Letzteres musste der Benutzer in einen Filmstreifen lochen.

Skizze der Z3 von Konrad Zuse (Foto Deutsches Museum CC BY-SA 4.0 seitlich beschnitten)
Um 1960 herum kam Konrad Zuse auf die Idee eines Nachbaus. Damals leitete er die 1949 im hessischen Neukirchen gegründete Zuse KG; sie saß inzwischen weiter östlich in Bad Hersfeld. Nach der Relaismaschine Z11 lieferte sie seit 1958 den Röhrenrechner Z22 aus, 1961 folgte die mit Transistoren bestückte Z23. Im Oktober 1961 arbeiteten in der Firma 340 Menschen, der Jahresumsatz lag bei knapp sieben Millionen DM, der Jahresgewinn betrug 339.000 DM. Die voll funktionsfähige Z3-Kopie war 1962 fertig und etwas kleiner als das Original; sie hatte auch nur einen Speicherschrank.
Die Zuse KG zeigte das Gerät vom 26. August bis zum 2. September 1962 auf der Interdata in München. Die Fachmesse fand parallel zum ersten Kongress der IFIP statt; die International Federation for Information Processing war ein Dachverband für diverse nationale Computer-Organisationen, an der Spitze stand der amerikanische Informatiker Isaac Auerbach. Die meisten Vorträge wurden in der Technischen Hochschule München gehalten. Die deutsche Presse ignorierte die Tagung weitgehend, wir fanden aber einen Bericht im Archiv der CIA.

Eine weniger bekannte Skizze (Foto Deutsches Museum CC BY-SA 4.0 seitlich beschnitten)
Eine weitere Erwähnung des IFIP-Kongresses geschah im November 1962 im Zuse-Forum, der Kundenzeitschrift der Zuse KG; bitte zur PDF-Seite 9 – das breite Bild – und zur PDF-Seite 24 gehen. Hier erkennt man den Nachbau links unter dem ZUSE-Schild im Hintergrund des Messestandes. Das Juli-Heft 1963 skizzierte den Weg zur Z3 mit Fotos der Rekonstruktion, bitte PDF-Seite 18 aufsuchen, das November-Heft beschrieb schließlich den Aufbau des ersten Computers und seine Funktionsprinzipien. Der Artikel beginnt bei PDF-Seite 24.
Der Z3-Nachbau gelangte ins Deutsche Museum, wo man ihn ab Mai 1968 in der Abteilung zur Nachrichtentechnik besichtigen konnte. Wenige Monate nach ihrer Eröffnung nahm der Bayerische Rundfunk dort Konrad Zuse für die Fernsehserie Sieg der Computer auf. Das Interview ist erhalten, Zuses Gesprächspartner war Werner Büdeler. Von 1988 bis 2022 stand der Rechner in der neuen Informatik-Ausstellung des Museums, im YouTube-Video erläutert ihn Kuratorin Dr. Carola Dahlke ab Minute 10:50. Gegenwärtig ist er im Depot.

Der Nachbau von 1962 im Jahr 2006 im Deutschen Museum (Foto Venusianer CC BY-SA 3.0)
Schließen möchten wir mit neueren Nachbauten. Am 11. Mai 2001 wurde in der FU Berlin eine Z3-Replik mit kleinen Relais vorgestellt, an der Horst Zuse, der Sohn des Erfinders, und der Informatik-Professor Raúl Rojas mitwirkten. Professor Zuse vollendete 2010 eine Rekonstruktion mit den Maßen des Originals. Sie steht im Deutschen Technikmuseum in Berlin, unser Eingangsbild oben zeigt das Bedienpult. Die vorerst letzte Neuauflage schuf der Schweizer Informatiker Christof Traber für die Enter Technikwelt in Solothurn.