Typographer

Happy Birthday, USA!

Geschrieben am 03.07.2026 von

Der 4. Juli 1776 gilt als der Gründungstag der Vereinigten Staaten; in diesem Jahr feiert das Land deshalb das „Semiquincentennial“. Wir möchten zum 250. Jubiläum an ein Exponat des HNF erinnern, den Nachbau des Typographen. Der Amerikaner William Burt schuf das Original 1829; es war das erste Schreibgerät, von dem wir die technischen Details kennen.

Als William Burt am 13. Juni 1792 im Örtchen Petersham in Massachusetts geboren wurde, bestanden die am 4. Juli 1776 gegründeten USA aus fünfzehn Bundesstaaten und einigen Territorien und endeten am Mississippi. 1789 bekam das Land eine Verfassung und einen Präsidenten, George Washington; er saß damals in Philadelphia. Die erste Volkszählung ergab 1790 vier Millionen Einwohner, im gleichen Jahr wurde das erste Patent erteilt.

Dieser Artikel erzählt vom Leben William Burts im frühen 19. Jahrhundert. 1824 zog er mit der Familie nach Mount Vernon/Michigan. Burt arbeitete als Mechaniker oder „millwright“, wie die Amerikaner sagen. Er interessierte sich für Politik und gehörte zwei Jahre dem Parlament von Michigan an.

William Burt um 1845 (Foto National Portrait Gallery)

Möglicherweise brachte ihn diese Tätigkeit auf den Entwurf einer Schreibmaschine. Vor zweihundert Jahren waren solche Geräte schon bekannt. Der deutsche Experte Ernst Martin versammelte sie gleich am Anfang seines Geschichtsbuchs. Bildliche Darstellungen oder technische Einzelheiten fehlen jedoch, am greifbarsten erscheint noch der italienische Erfinder Pietro Conti, der 1827 – nach anderen Quellen 1828 – in Paris das Konzept eines Tachigrafen und eines Tachitipen vorstellte; „tachy“ ist das griechische Wort für schnell.

William Burt erhielt am 23. Juli 1829 ein richtiges Patent mit mehreren Abbildungen, siehe unten. Es betraf den Typographer, den der Text auf der Titelseite des Patents als ein Gerät zum Drucken bezeichnete. Leider fielen die übrigen Seiten und das Patentmodell dem Feuer zum Opfer, das 1836 das Haus des Patentamts in Washington vernichtete. Der Nachlass des Erfinders überlieferte aber genügend Informationen, sodass ein Enkel oder Urenkel einen Nachbau anfertigen konnte. Er wurde 1893 auf der Weltausstellung von Chicago gezeigt und liegt heute in einem Depot der Smithsonian Institution.

Die Grafiken von Burts Patent aus dem Jahr 1829

Eine andere Kopie verwahrt das Londoner Science Museum. Im HNF leitet eine Nachbildung die Schreibmaschinen-Abteilung im ersten Obergeschoss ein. Mit den vier Beinen misst sie einen Meter in der Höhe; die Breite beträgt 42 und die Länge 66 Zentimeter. Der Typograf hat keine Typenhebel wie moderne Schreibmaschinen; die Zeichen füllen zwei Reihen auf einem Kreissegment, das unter einem nach links und rechts schwenkbaren Hebel befestigt ist. Er lässt sich mit seinem Rahmen nach hinten und nach vorne verschieben.

So kann man einen Buchstaben, eine Ziffer oder ein Satzzeichen auswählen und auf die Rolle mit dem Papier platzieren, die ganz oben im Kasten sitzt. Zuvor werden die Drucktypen durch die Kissen, die sich neben der Öffnung für die Rolle befinden, mit Tinte geschwärzt. Jeder Abdruck dreht die Rolle eine Position weiter. Auf der Skala mit dem Zeiger erkennt der Schreiber, wie weit er in der Zeile schon gekommen ist und wann er zur nächsten wechseln muss. Wie es scheint, umwickelte ein einziger und leicht angewinkelter Papierstreifen die Rolle, was die Produktion von längeren Blättern vermutlich ausschloss.

Das Modell des HNF übernahm die vier Beine aus der Patentschrift.

Der älteste mit dem Typografen erstellte Brief, der noch erhalten ist, zählt siebzehn Zeilen; der Zeitungsverleger John P. Sheldon schrieb ihn am 25. Mai 1829 in Detroit an den Politiker und späteren Präsidenten Martin Van Buren. William Burt druckte am 13. März 1830 in New York eine Nachricht an seine Frau. Sie entstand auf seiner zweiten Maschine und ist etwas länger. Der Text weist einige Rechtschreibfehler auf, was vielleicht damit zusammenhängt, dass Burt in seiner Jugend nur zehn Wochen lang eine Schule besuchte.

Von 1833 bis 1853 arbeitete er vor allem als Landvermesser; in den 1840er-Jahren stieß er auf reichhaltige Erzlagerstätten. 1835 erfand er einen Sonnenkompass, der nicht durch Mineralien im Erdboden abgelenkt wurde. 1851 reiste er auf einem Segelschiff nach England und stellte das Gerät auf der Londoner Weltausstellung aus, wo es einen Preis erhielt. 1856 meldete er noch ein Patent für einen Sextanten an. William Burt starb am 18. August 1858 in Detroit. Im gleichen Jahr erschien auch sein Buch über den Sonnenkompass.

Der Nachbau für die Weltausstellung von 1893 in Chicago (Foto National Museum of American History, Smithsonian Institution Washington)

Seine Schreibmaschine geriet in Vergessenheit und wurde erst 1888 wiederentdeckt. Burts Typograph hatte also keinen Einfluss auf die Bürotechnik, bei der amerikanische Erfinder eine wichtige Rolle spielten. Dasselbe gilt für die mechanischen Datenverarbeitung – man denke an Herman Hollerith – und die elektronischen Rechentechnik, die mit dem ENIAC in Philadelphia begann. Auch der Transistor, die integrierte Schaltung und der Mikroprozessor sind „Born in the USA“. Aber uns Deutschen bleibt immer noch Konrad Zuse.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir stellen diese Frage, um Menschen von Robotern zu unterscheiden.