Those were the DAIs
Geschrieben am 19.05.2026 von HNF
Die Pointe ist simpel, doch der alte Schlager einfach zu schön. DAI oder Data Applications International hieß ein belgischer Hersteller, der von 1979 bis 1982 einen Acht-Bit-Rechner baute. Ein anderer setzte die Produktion bis 1984 fort. Der DAI war der erste Mikrocomputer für einen Fernseh-Kurs. 1980 brachte das Magazin CHIP gleich zwei Artikel über ihn.
Das Land Belgien verbinden wir gewöhnlich mit Comics, mit berühmten Radsportlern und der Weltausstellung von 1958. In den späten 1970er-Jahren begann jedoch im Süden der Region Brüssel die Fertigung eines Heimcomputers. Nach dem Urheber, der Firma Data Applications International, trug er den Namen DAI.
Die deutschen Mikrocomputer-Freunde erfuhren vom Rechner durch ein Interview, das die Zeitschrift CHIP im Juni-Heft 1980 mit DAI-Geschäftsführer Claude Simpson brachte. Simpson wurde in den USA geboren. Um 1970 arbeitete er in Los Angeles für die Computer Sciences Corporation, eines der größten amerikanischen Softwarehäuser. 1971 widmete er sich zusammen mit zwei Kollegen einem Auftrag von Philips im Mikroprozessor-Bereich. Dazu zog er in die Niederlande; schließlich blieben die drei in Belgien hängen.

Ein DAI im Museum of Computing im englischen Swindon (Foto Marcin Wichary CC BY 2.0 seitlich beschnitten)
1971 gründeten Claude Simpson, David Lockey und Howard Kornstein die oben genannte Firma. Sie saß in Uccle bei Brüssel und entwickelte unter anderem Trainingskurse für Intel in Kalifornien sowie Steckkarten für Prozessrechner. Von Texas Instruments kam der Auftrag für einen Mikrocomputer mit TI-Komponenten, den man an einen englischen PAL-Fernseher anschließen konnte. Die Texaner verloren schnell das Interesse am Projekt, doch DAI setzte die Arbeit fort und nahm als Prozessor den Intel 8080A. 1979 lag der DAI-Mikro vor.
Vorgestellt wurde er im Mai des Jahres auf einer Computermesse in Brüssel. Der Vorab-Artikel der US-Zeitschrift Electronics – bitte PDF-Seite 70 aufsuchen – enthielt ein Foto mit dem Rechner, einem Fernseher und einem Kassettenrekorder. Der Arbeitsspeicher reichte von vier bis 48 Kilobyte, zusteckbar waren Chips mit einem Nur-Lese-Speicher und einem Mathematik-Prozessor. Der DAI verstand die Sprache BASIC, zeigte Farbgrafiken an und erzeugte melodische Töne. Firmenchef Claude Simpson nannte ihn einen Personal Computer der zweiten Generation für unter 1.000 Dollar.
Im Juli 1980 folgte ein Testbericht in CHIP. Das Magazin lobte den BASIC-Interpreter, die Grafik-Fähigkeiten, den Arithmetik-Chip und den „relativ geringen“ Preis von 2.700 DM. Sie tadelte aber, dass „lediglich ein paar Demonstrationsprogramme fertiggestellt sind, die beim Erwerb des Computers mitgeliefert werden.“ Weiterreichende Software gäbe es noch keine. Als Fazit stellte der CHIP-Autor fest: „Der DAI ist ein sehr flexibler und leistungsfähiger Personal-Computer. Durch seinen niederen [sic!] Preis und seine große Leistungsfähigkeit dürfte er ein breites Aufgabengebiet abdecken.“

Ein DAI von Indata (Foto Thomas Conté CC BY-SA 2.0 seitlich beschnitten)
Leider reichten die Leistungen am Ende nicht aus, vielleicht versäumte der Hersteller auch Preissenkungen zur rechten Zeit. Im Mai 1982 meldete DAI Konkurs an, die Fertigung des Computers wurde bis 1984 von der belgischen Firma Indata fortgesetzt. Im Netz überlebten eine Grafiksammlung und ein dazu gehöriges Video sowie Spiele auf YouTube. Daylaxians ist ein Space-Invaders-Klon, Jeu de Morpion entspricht unserem „Vier gewinnt“. Den Gamer verblüfft das altdeutsche Mensch ärgere Dich nicht.
In Vergessenheit geriet die Mitwirkung des DAI beim ersten Fensehkurs mit einem kleinen Computer. Ab 1978 strahlte der niederländische Bildungskanal Teleac zwei Serien unter dem Titel Microprocessors aus. In der zweiten wurde 1979 und 1980 unser Rechner eingesetzt, wie in dieser Folge sichtbar. Damals herrschte Ordnung in der Informatik: Der Moderator kennt sich aus und diktiert die BASIC-Befehle, die Assistentin tippt fleißig ein. Allwissende Männer gab es ebenso im Computer Programme der BBC und beim NDR-Klein-Computer, etwas ausgewogener waren die Bits and Bytes aus Kanada.
Der DAI ist heute selten, unser Eingangsfoto oben zeigt ihn im HomeComputerMuseum im niederländischen Helmond. Er hat aber noch seine Fans. Internet-Seiten finden sich hier, hier und hier, eine Unterseite führt Magazine auf Französisch und Flämisch auf. Weitere DAI-Dokumente liegen im Internet Archive. Und nachdem wir mit dem Lied Those were the days eröffneten, möchten wir mit einem anderen Lobgesang schließen – Thank you for the days