Anker-6000

150 Jahre Anker

Geschrieben am 07.07.2026 von

Auf den 250. Geburtstag der USA folgt eine Jubiläumsfeier, die schon eine Weile überfällig ist. Am 7. April 1876 gründete der Mechaniker Carl Schmidt eine Nähmaschinenfabrik in Bielefeld, die seinen Namen trug. Sie wurde 1906 zur Anker-Werke AG. 1901 fertigte die Firma Registrierkassen, ab 1912 auch Buchungsmaschinen. Im April 1976 musste sie aber Konkurs anmelden.

Spät kommt er, doch er kommt: unser Blogbeitrag zu den Anker-Werken. Als sie am 7. April 1876 gegründet wurden, hießen sie noch Bielefelder Nähmaschinenfabrik Carl Schmidt. Wie es der Name sagt, wurden Maschinen zum Nähen gebaut, und zwar für Schuhmacher. 1880 produzierte die Firma Nähgeräte für Textilien und 1894 außerdem Fahrräder. Im gleichen Jahr benutzte sie zum ersten Mal die Markenbezeichnung Anker.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte das Unternehmen, meist als Hengstenberg bekannt, eine Registrierkasse heraus. Das „schmale Handtuch“ zeigte drei Dezimalstellen an; das HNF besitzt ein Modell für Italien mit einer Stelle mehr. Die Kassen waren eine Erfindung der amerikanischen National Cash Register Company und erst wenige Jahre bei uns erhältlich. Den Markt beherrschten NCR und Grimme, Natalis & Co. aus Braunschweig, der Hersteller der Brunsviga-Rechenmaschinen. Die Bielefelder holten aber bald auf.

Die allerersten Anker-Kassen besaßen Hebel, mit denen man die Zahlen neben parallelen Skalen einstellte. 1905 wurden die Modelle verschönert. 1906 änderte sich der Firmenname zu Anker-Werke AG. 1913 erschienen Kassen mit Drucktasten sowie Buchungsmaschinen. Zu letzteren sind uns keine Details bekannt, wahrscheinlich meinte der Ausdruck Kassen ohne Geldausgabe und mit mehreren Zählwerken. In den 1920er-Jahren kombinierten die heute nostalgisch wirkenden Tastenhebelkassen beide Eingabetechniken.

Anker-Gründer Carl Schmidt wurde 1844 in Soest geboren.

1926 überstieg der Umsatz von Kassen und verwandten Geräten den der Fahrräder und Nähmaschinen. Eine neue Kategorie bildeten die Registrierbuchungsmaschinen, die Anker beim Konkurrenten NCR und seinem deutschen Partner Krupp abguckte. Den technischen Höhepunkt erreichte 1937 der Buchungsautomat der Klasse 6000 mit 55 Speicherwerken. Er wurde auch in der Nachkriegszeit gebaut und ist oben im Eingangsbild zu sehen. Mit einem Preis von 60.000 DM stieß er in die Höhen der Computertechnik vor.

Für den Einzelhandel baute Anker in den 1950er-Jahren die Kassen N100, N800 und N5000 – dieses Modell erhielt 1954 einen Designpreis. Die Ladenkassen führten zu den längeren Buchungsmaschinen, erkennbar an Bezeichnungen wie BN800 oder BN5000. In den 1960er-Jahren kam die F7-Serie, die das runde Tastenfeld durch einen Aufbau mit geraden Seiten ersetzte. Für den Vertrieb gründete Anker die Tochtergesellschaft Anker Data System GmbH, deren Kürzel ADS dann die Produkte der Firma schmückte.

1960 stellt Anker einen Transistorrechner vor, in den späten Sechzigern betrat die Firma den Markt der Mittleren Datentechnik. Das CC-Computerarchiv verzeichnet ab 1971 das Modell ADS 2100, später wurde das Mehrplatzsystem Modulflex angeboten. Im April 1976 war das Unternehmen aber insolvent; am Ende beschäftigte es in Bielefeld rund 4.400 Menschen. Nach diversen Übernahmen und Abspaltungen fand 2015 ein Neustart in Gestalt der Anker Solutions GmbH statt; heute existiert eine Anker-Gruppe.

Die Schicksale der Abteilungen für Nähmaschinen, Fahrräder und Motorräder möchten wir übergehen, ebenso die prägenden Köpfe des Managements und das Verhältnis zum großen Rivalen NCR. Einige Archivalien zum Nachlesen finden sich hier, der Hauptnachlass liegt in Dortmund und Bielefeld. Es folgt nun eine Bilderstrecke zur Anker-Geschichte.

Anzeige von 1906 mit Nennung von „Anker“-Produkten, nachlesbar im ANNO-Archiv.

Registrierkasse von Grimme, Natalis & Co. mit Tastenbedienung

Anker-Kasse Modell 1 mit vier Hebeln aus den 1900er-Jahren für Lire-Werte

Anker-Buchungsmaschine aus den frühen 1920er-Jahren mit Verkleidung aus gehämmertem Blech. Bitte das Bild zum Vergrößern anklicken!

Kellner-Kasse Modell 150 mit mehreren Zählwerken etwa aus der gleichen Zeit

Kasse aus den 1920er-Jahren (Foto Alpines Museum München CC BY-SA 3.0)

Tastenhebelkasse aus den späten Zwanzigern, auch Blitzkasse genannt. Auffällig ist das „DM“ – fand einmal ein Umbau statt? (Leihgabe des Historischen Museums Bielefeld)

Eine Registrierkasse von 1938. Merkwürdig ist auch hier die Abkürzung „DM“.

Die Buchungsmaschine Anker MDA aus den 1930er-Jahren stand einst in Hamburg-Altona.

Registrierkasse N5000 mit Rückgeldspender und Bielefeld-Poster, aufgenommen 1960 (Foto Knudsens Fotosenter, Norsk Teknisk Museum CC BY-NC-SA 4.0 seitlich beschnitten)

Ein anderes Modell aus der 5000-Familie (Foto Knudsens Fotosenter, Norsk Teknisk Museum CC BY-NC-SA 4.0 seitlich beschnitten)

Ein entfernter Verwandter ist der Buchungsautomat Anker BN5000 aus den 1950er-Jahren.

Die Anker-Filiale an der Dänischen Straße in Kiel 1965 – heute endet dort die Fußgängerzone. (Foto Friedrich Magnussen CC BY-SA 3.0 DE seitlich beschnitten)

Die ADS F8 war in den frühen 1970er-Jahren die letzte mechanische Anker-Kasse.

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